Gruppenarbeit in der Schule

Seit ein paar Tagen müssen wir für den Englischunterricht ein Poster in Gruppenarbeit erstellen. Als Außenseiter wurde ich einfach einer Gruppe zugeteilt, die aus drei Mädchen in meiner Klasse besteht. Das sind Nina, Miriam und Mia. Die drei bilden ihre eigene kleine Clique und hängen immer zusammen – einzeln erwischt man sie nie.

Nina ist eine wirkliche kleine, zierliche, süße Maus mit langen, dunkelblonden Haaren. Auffällig sind ihre großen Bambiaugen. Ich glaube, sie entfacht einen Beschützerkomplex bei den Jungs in der Klasse und daher stehen irgendwie alle auf sie. Zuletzt war sie mit einem Typen aus der 10. Klasse zusammen, wie ich mitbekommen habe. Miriam trägt eine Brille und hat eine Zahnspange. Auch sie hat langes Haar, aber es ist dunkler als Ninas. Sie ist auch ziemlich hübsch, wie ich finde, aber ich glaube, die Jungs finden ihre Brille und ihre Zahnspange nicht so toll. Aber sie scheint wirklich witzig zu sein. Bei der Gruppenarbeit bringt sie uns ständig zum Lachen. Die letzte der drei ist Mia. Sie ist eine kleine, etwas pummelige Italienierin mit einem vorlauten Mundwerk. Das liegt wahrscheinlich an ihrem Temperament. Sie zickt ständig mit den Jungs herum, sodass ich vermute, dass sie einfach nur Aufmerksamkeit sucht. Aber so scheint sie auch ganz nett zu sein.

Durch die Gruppenarbeit kam ich jetzt mit diesen drei in Kontakt. Irgendwie taten sie sich mit dem Thema und dem Poster etwas schwer. Englisch ist auch nicht ihre Stärke. Daher muss ich die meiste Arbeit übernehmen. Das beeindruckte sie anscheinend so sehr, dass sie sich mir öffneten. Sie fragten mich total aus und wollten viel über mich wissen. Heute haben sie sogar die großen Pausen mit mir verbracht und mit mir gesprochen. Ich hasse es eigentlich, so im Mittelpunkt zu stehen, aber wenigstens war ich dann nicht wieder alleine. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn wir uns näher anfreunden würden. Aber ich denke, dass das jetzt nur wegen dieser Gruppenarbeit so ist und sie mich danach wieder links liegen lassen. Mal sehen. Ich versuche auf jeden Fall ein bisschen offener zu sein und sie näher kennen zu lernen.

Facebook-Freunde

Gestern habe ich einen ganz mutigen Schritt gewagt. Ich hatte schon von meinem Klassenkamerad Till erzählt, den ich so süß finde. Schon ein paarmal habe ich mir seine Facebook-Seite angeschaut, aber wenn man nicht mit ihm befreundet ist, kann man da nicht viel sehen.

Jetzt muss ich hinzufügen, dass ich auf Facebook nur mit ein paar Mädchen aus der Klasse befreundet bin. Diese haben mich gleich angefragt, als ich neu in die Klasse kam. Aber darüber hinaus haben sie nicht mit mir geschrieben oder so. Ich glaube, sie wollten einfach nur ihre Freundschaftsliste erweitern. Von den Jungs hat mich bisher keiner angefragt und ich habe mich auch nicht getraut, sie anzufragen.

Aber gestern habe ich mich einfach mal getraut, Till anzufragen und erhoffte mir, dass er mich annimmt. Falls er mich darauf ansprechen würde, hatte ich mir die Ausrede parat gelegt, dass ich auch so jemand bin, der seine Freundesliste erweitern will. Natürlich habe ich zum Alibi auch gleich alle anderen Klassemkameraden hinzugefügt, die ich finden konnte. Und siehe da – die meisten haben mich auch angenommen, darunter auch TILL! Ich habe mich so gefreut.

Sofort habe ich mich auf seinem Profil umgeschaut. Besonders haben mich seine Fotos interessiert. Und die haben mich umgehauen. Er hat nämlich auch Urlaubsfotos online, auf denen er am Strand in Badehose zu sehen ist. Natürlich trägt er – wie heutzutage üblich – weite Badeshorts. Aber seinen Körper kann man darauf betrachten. Da gerate ich völlig ins Schwärmen.

Aber es gibt auch einige Fotos, auf denen er mit Mädchen zu sehen ist. Ich nehme an, darunter sind auch einige Ex-Freundinnen von ihm. Zurzeit ist er wohl solo, wie ich das mitbekommen habe. Manchmal sind auch andere meiner Klassenkameraden auf den Fotos. Sie sind dann auch verlinkt. Die Profile von Max, Simon und Justin habe ich mir auch angesehen. Die drei haben auch ein paar nette Fotos. Simon hat auch ein Foto, auf dem er wohl mit seinem älteren Bruder zu sehen ist. Der scheint auch ein heißer Typ zu sein.

Wie gerne wäre ich mit ihnen auch im wirklichen Leben befreundet… Am liebsten würde ich sie anschreiben. Aber ich denke, ich werde jetzt einfach mal hin und wieder ein paar Posts von ihnen liken. Vielleicht bemerken sie das ja. Ich darf nur nicht zu auffällig sein.

Internetpornografie

Wer glaubt, dass Jungs in meinem Alter so brav sind und im Internet nur harmlose Dinge anschauen, hat sich tief in den Finger geschnitten. Natürlich schauen wir uns verbotenerweise auch Pornos im Internet an. Und dies kann ich nicht nur aus eigener Erfahrung behaupten. Meine Schulkameraden kennen alle großen und bekannten Pornoseiten und auch wenn sie nur scheinbar Witze darüber reißen, bin ich mir sicher, dass sie diese Seiten täglich besuchen.

Es ist ja auch ganz einfach. Meist wird man ja nur gefragt, ob man mindesten 18 Jahre alt ist. Da braucht man nur „Ja“ anklicken, auch wenn das gar nicht stimmt. Das kontrolliert ja keiner. Also kann man sich solche Videos ganz frei anschauen – ganz zu schweigen von Bildern, die man allein durch eine Googlesuche findet (wenn man den Filter ausschaltet).

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich mir natürlich Schwulenpornos anschaue. Und natürlich hole ich mir dabei einen runter. Das mache ich schon so, seitdem ich zwölf war. Manchmal verbringe ich sogar Stunden auf solchen Seiten. Ich habe ja mein eigenes Zimmer und auch meinen eigenen Laptop. Mein Vater und mein Bruder lassen mich da auch in Ruhe. Meist sind sie ja sowieso nicht da und da brauche ich auch keine Angst haben, erwischt zu werden. Auch wenn sie da sind, klopfen sie vorher an, bevor sie in mein Zimmer kommen. Also brauche ich mir da keine Sorgen machen.

Ich bin mir darüber hinaus auch ziemlich sicher, dass mein Bruder ebenfalls Pornos anschaut. Ich bin ja nicht blöd. Er ist zwei Jahre äter als ich und bei ihm spielen die Hormone der Pubertät bestimmt auch verrückt. Wahrscheinlich wird er sich andere Sachen anschauen, aber er macht das hundertprozentig auch.

Vielleicht werden jetzt einige wieder denken, dass mir das schadet und werden die Pornografie verteufeln. Ich habe nicht das Gefühl, dass es mir schadet. Ich bin froh darüber, dass ich so meine Fantasie befriediegen kann. Und da ich weiß, dass das jeder macht bzw. gemacht hat als Jugendlicher (jedenfalls seitdem es Internet gibt), müssten ja alle irgendwie gestört sein. Sind wir das?

Erektionen verstecken

Heute möchte ich mal über ein weiteres Problem von mir berichten. Dieses Problem ist mir sehr unangenehm und stresst mich täglich. Und zwar bekomme ich oft und überall eine Erektion. Egal, wo ich mich befinde, muss ich meinen steifen Pimmel verstecken. Ständig habe ich Angst, dass das jemand sieht.

In der Schule, wenn ich auf meinem Platz sitze, geht das ja dann noch. Da kann ich das leicht verstecken, indem ich meine Beine zusammenhalte oder so. Aber besonders schlimm ist es im Sportunterricht. Da trage ich ja meist nur eine Jogginghose. Da kann man das am wenigsten verbergen. Wenn ich merke, dass sich wieder etwas in meiner Hose tut, haue ich schnell auf die Toilette ab und gucke da, dass sich das ganz schnell wieder legt – im wahrsten Sinne des Wortes.

In der Jungenumkleide passiert das auch manchmal – gerade wenn die anderen Jungs mal wieder mit ihren Pimmeln herumspielen, oder ich mich überhaupt umschaue und die Beulen der anderen anschaue. Dann setze ich mich immer auf die Bank und tue so, als ob es besonders lang dauert, bis ich meine Schnürsenkel oder so aufbekomme. Da muss ich mich nämlich ganz nach vorne beugen und kann meinen Pimmel gut verstecken.

Darüber hinaus kommt hinzu, dass ich auch noch zugegebenermaüen „gut ausgestattet“ bin. Da wurde ich wohl von der Natur gesegnet und eigentlich finde ich das ganz gut, dass ich nicht so einen kleinen Pimmel habe. Aber wenn ich einen Steifen bekomme, ist es natürlich besonders schwer, ihn zu verstecken.

Ich weiß auch langsam nicht mehr, was ich tun soll. Im Internet habe ich zwar nachgelesen, dass das völlig normal für einen Jungen in meinem Alter ist, aber unangenehm ist es mir schon. Ich habe mir schon überlegt, ob ich mal mit meinem Bruder darüber rede, ob er nicht vielleicht das gleiche Problem hat oder hatte. Aber das ist mir auch sehr peinlich. Jetzt wünschte ich mir, ich hätte einen besten Freund, mit dem ich über alles reden könnte.

Elyas M’Barek

Gestern war ein schöner Tag. Endlich langweilte ich mich nach der Schule nicht schon wieder allein daheim. Mein Bruder erzählte mir, dass er mit ein paar Freunden aus der Schule ins Kino gehen würde und fragte mich, ob ich nicht mitkommen möchte. Das war sehr nett von ihm. Ich glaube, er merkt langsam, dass ich mich einsam fühle und ich bin auch sehr froh, dass er mich nicht dafür fertig macht. Jedenfalls momentan nicht…

Wie waren in „Fack ju Göhte“ mit Elyas M’Barek, den man auch aus „Türkisch für Anfänger“ kennt. Der Film ist so lustig und ich fand ihn richtig genial. Wir haben uns kaputt gelacht. Aber am allerbesten hat mir natürlich Elyas gefallen. Dieser Schauspieler ist so sexy. Schade, dass ich das nicht so vor anderen äußern kann. Aber hier kann ich ja schreiben, wie geil ich ihn fand. Er hat so einen heißen Körper. In dem Film kann man auch seinen Hintern sehen. An der Stelle musste ich aufpassen, dass man meinen Steifen nicht sieht. Aber zum Glück ist das Kino ja dunkel und da kann man das gut verbergen… Sonst wäre das ziemlich peinlich geworden vor meinem Bruder und seinen Freunden.

Nach dem Kino waren wir dann noch bei McDonald’s und mein Bruder und seine Freunde haben sich über den Film unterhalten. Ich habe mich da eher zurückgehalten. Seine Freunde haben mich auch eher ignoriert. Mein Bruder hat zwar mal nachgefragt, wie ich ihn fand, aber er ist nicht wirklich darauf eingegangen. Aber egal, hauptsache ich durfte überhaupt mitgehen und mir den Film anschauen – UND Elyas M’Barek sehen. Zuhause habe ich mir natürlich erst mal Bilder von ihm im Internet angeschaut. Ich komme gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Der Typ ist einfach geil!

Meine Klasse

Meine Klassenkameraden sind eigentlich ganz nett. Es hätte mich schlimmer treffen können, als ich neu auf die Schule gekommen bin. Zwar war ich vorher noch nie in einer solchen Siutation, aber ich stelle mir vor, dass man sich das schlimmste ausmalt. So war es jedenfalls bei mir. Ich dachte, ich werde zum Außenseiter und Mobbing-Opfer. Ich stellte mir die schlimmsten Hänseleien von „Homo“ bis „Schwuchtel“ vor, wenn sie eventuell bemerken würden, dass ich schwul bin. Dabei bemühe ich mich stets, sehr männlich zu wirken und lege zum Beispiel meine Beine nicht so tuntig übereinander.

Aber meine Sorgen hatten sich nicht bestätigt. Meine Klassenkameraden sind eigentlich ganz nett. Wie schon mal erwähnt, vermute ich, dass meine Klassenlehrerin ihnen von dem Tod meiner Mutter erzählt haben muss. Denn sie lassen mich in Ruhe und sind ansonsten recht freundlich. Wenn es um schulische Angelegenheit geht, behandeln sie mich auch ganz normal. Wenn wir zum Beispiel eine Parnterarbeit machen, behandelt mich niemand komisch, sondern arbeitet ganz normal mit mir zusammen. Aber darüber hinaus werde ich einfach links liegen gelassen. Die Pause verbringe ich meist alleine. Dann setze ich mich in die Pausenhalle und lese in meinem Buch.

Als ich in die Klasse kam, fielen mir natürlich zuallererst die Jungs auf. In meiner Klasse sind wir 26 Schüler, davon sind 14 Jungen. Darunter sind wiederum ein paar, die ich nicht sonderlich attraktiv finde, wie den dicken Lukas oder Aarif, den Pakistaner. Aber in meiner Klasse sind auch heiße Typen. Ganz oben steht da natürlich Till. Seit ich seinen Pimmel gesehen habe, finde ich ihn noch besser. Aber vorher fand ich ihn auch schon total heiß. Er ist sehr sportlich und hat so lange blonde Haare wie ein typischer Surfer-Boy. Besonders gefallen mir seine blauen, strahlenden Augen und seine schneeweißen Zähne. Ich stehe auf gepflegte Zähne und er hat die weißesten, die ich je gesehen habe. Jetzt wird es hier richtig gay, aber ich finde ihn einfach zum Dahinschmelzen.

Aber Max, Simon und Justin sind auch sehr hübsch. Wenn einer von ihnen mich ansprechen würde, wäre ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Aber das tut ja keiner. Auch die Mädchen nicht. Sie lassen mich einfach in Ruhe und ich denke, sie sind der Meinung, ich würde noch immer trauern. Ich frage mich, wie ich ihnen zeigen kann, dass sie mich nicht so in Watte packen müssen. Wenn ich ein wenig offener wäre und auf sie zugehen würde, würde ich vielleicht mit jemanden Freundschaft schließen können. Aber solange ich so verschlossen bin, verbringe ich meine großen Pausen weiterhin allein.

Sportunterricht

Heute hatten wir wieder Sport in der Schule. Das ist ein Fach, dass ich gleichzeitig hasse, aber auch liebe. Ich habe vorher Angst, obwohl ich mich auch sehr freue – besonders jetzt an meiner neuen Schule.

Wir sind in Kurse aufgeteilt und ich bin im Badminton-Kurs in diesem Halbjahr. Außerdem haben wir Jungs getrennt Unterricht von den Mädels. Da ich auf einer Gesamtschule bin, heißt das, wir haben mit Haupt- und Realschülern gemeinsam Sportunterricht. Und das ist auch der Grund, warum ich Angst habe, mich aber auch gleichzeitig freue.

Im Hauptschulzweig sind einige richtige Assis auf meiner Schule – richtige Prolleten und Machos. Drei von ihnen sind in meinem Sportkurs – Ali, Ahmed und Mehmet. Die drei beleidigen nur und sind für ihre Agressivität bekannt. Wenn es eine Schlägerei bei uns auf der Schule gibt, ist mindestens einer von den dreien daran beteiligt. Deshalb habe ich total Angst vor ihnen. Wenn die herausfinden oder nur ahnen, dass ich schwul bin, kann ich mich auf etwas gefasst machen. Ich glaube, man könnte mich dann ins Krankenhaus einliefern lassen.

Auf der anderen Seite finde ich sie total heiß. Alle drei sehen gut aus und haben einen wirklich durchtrainierten Body. Davon abgsehen machen sie in der Jungenumkleide immer nur scheiße und schämen sich nicht, ihre Hosen runter zu lassen. Wenn sie sich umziehen, machen sie sich immer komplett nackt und machen Späße mit ihren Pimmeln. Sie nehmen sie beispielsweise in die Hand und lassen sie wie Propeller kreisen. Sie hauen sich auch gegenseitig damit oder fassen sich gegenseitig an – natürlich mit schlaffen Pimmel und nicht steif. Aber trotzdem macht das mich an und wenn ich zuhause bin, denke ich beim Wichsen immer daran. In der Schule muss ich immer aufpassen, sie nicht anzustarren, weil sie ja merken könnten, dass ich schwul bin.

Heute haben sie damit angefangen sich gegenseitig, aber auch uns anderen Jungs die Hose runterzuziehen – nicht nur in der Umkleide, sondern auch in der Sporthalle. Jetzt habe ich Angst, dass ich sie mir die Hose runter ziehen und ich dann einen Steifen bekomme oder so. Das Gute daran ist, dass ich jetzt auch den ein oder anderen Pimmel der anderen Jungs gesehen habe. So habe ich gesehen, dass mein Klassenkamerad Till einen richtig langen hat, auch wenn er schlaff war. Die drei Hauptschüler haben gejolt, als sie seinen gesehen haben. Sie haben auch keine kleinen Pimmel, aber ich glaube, Tills Penis wirkt wegen seiner Vorhaut noch mal größer. Ali, Ahmet und Mehmet sind ja beschnitten und Till nicht. Ich muss zugeben, dass ich unbeschnittene Pimmel lieber mag.

Nun bin ich total aufgeregt darüber, dass ich Tills Pimmel gesehen habe. Ich muss die ganze Zeit an ihn denken und würde ihn gerne auch steif sehen. Ich hoffe, ich kann nächsten Mittwoch wieder einen Blick auf ihn werfen. Aber die Jungs dürfen nicht merken, wie ich ticke. Hoffentlich schöpft keiner Verdacht.

Einsamkeit

Gestern habe ich ja schon angedeutet, dass ich mich oft alleine fühle. Das ist ja auch kein Wunder.

Vor einem Jahr ist ja meine Mutter leider gestorben. Sie war sehr krank. Ich möchte aber nicht erzählen, was sie hatte, weil man mich dann vielleicht erkennen könnte. Aber so viel sei gesagt: Es war sehr schlimm für mich. Sie war meine engste Bezugsperson und ich habe ihr alles – na ja, fast alles – über mich erzählt. Wenn ich von der Schule heim kam, habe ich ihr immer erst alles erzählt, was in der Schule passiert ist.  Mein Vater war ja meist auf der Arbeit und mein Bruder hatte sein eigenes Leben. Jetzt fehlt sie wirklich sehr und ich denke noch immer viel an sie.

Auf meiner alten Schule hatte ich darüber hinaus einige Freunde. Zugegebenermaßen waren es mehr Freundinnen als Freunde, was sehr verdächtig ist, wie ich weiß. Aber es hat niemand etwas gesagt. Ich hatte auch einen Kumpel, mit dem ich seit dem Kindergarten befreundet war. Ich glaub, er war auch nicht komplett hetero. Kurz bevor wir uns verkracht hatten, haben wir angefangen „schwule“ Dinge zu tun. Beispielsweise haben wir uns gegenseitig Dinge weggenommen und vorne in unsere Hose gepackt. So musste man dem anderen in die Hose greifen, um sich die Dinge zu holen. Anfangs haben wir so getan, als wäre das voll eklig und schwul (ich musste ja so tun, als würde ich das schlimm finden). Aber dann haben wir uns tatsächlich in die Hose gefasst. Nach und nach haben wir damit angefangen, unsere Eier und schließlich unsere Pimmel in die Hand zu nehmen. Die wurden auch steif. Immer zogen wir die Hände schnell zurück und sagten so was wie „Iiiihhh“ oder „Ekelhaft“ oder „Wie schwul“. Aber ich bin sicher, dass diese Spiele nicht nur mir gefallen haben. Oftmals musste ich danach immer schnell aufs Klo und da habe ich mir einen runtergeholt.

Aber dann haben wir uns immer öfter gestritten, bis es schließlich einen großen Krach gab. Seit daher sind wir getrennte Wege gegangen und ich hatte nur noch meine Freundinnen. Aber als wir umgezogen sind, ist der Kontakt eigentlich so gut wie gar nicht mehr da. Wir sind zwar noch über Facebook befreundet und schreiben uns Kommentare oder auch mal persönliche Nachrichten, aber das war es auch schon.

Wie man sieht, habe ich niemanden mehr. Ja, ich liebe meinen Vater und meinen Bruder, aber ersetzen keine Freunde. Am Wochenende unternehmen wir drei auch mal was zusammen und gehen ins Kino oder so. Aber meist haut Benny schnell ab, um sich mit Freunden zu treffen. Und dann sind mein Vater und ich alleine. Und meinem Vater kann ich nicht alles erzählen, so wie ich es bei meiner Mutter konnte. Und davon abgesehen habe ich ja auch nichts zu erzählen. So sind es meist nur sehr oberflächliche Gespräche zwischen uns.

Ich wünsche mir schon ein paar enge Freunde. Doch am liebsten hätte ich natürlich einen festen Freund, mit dem ich alles machen könnte. Ich würde auch gerne mal mit einem süßen Jungen knutschen oder solche Spiele treiben wie mit meinem ehemaligen Kumpel. Das wäre schön. Potentielle Kandidaten gäbe es da schon, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Mein Leben und ich

Wie ich in meinem ersten Beitrag schon berichtet habe, bin ich 14 Jahre alt und gehe in die 8. Klasse. Meine Lieblingsfächer sind Deutsch und Kunst. Aber auch die anderen Fächer fallen mir zum Glück nicht so schwer. Zu meinen Hobbys gehört das Malen und Zeichnen, Lesen, im Internet surfen und Filme schauen.

Meine Familie besteht aus meinem Vater, meinem älteren Bruder und mir. Meine Mutter ist vor einem Jahr leider gestorben. Daraufhin ist mein Vater mit uns beiden Söhnen in eine andere Stadt gezogen. Er wollte Abstand und noch mal neu anfangen. Unser altes Haus wäre voller schlechter Erinnerung, meint er. Und so landete ich Anfang diesen Schuljahres auf meiner neuen Schule. Das erklärt auch, warum ich noch nicht so viele Freunde habe. Besser gesagt, ich habe gar keine Freunde. Ich bin sehr schüchtern und zurückhaltend. Ich kann nicht so gut auf neue Leute zugehen. Davon abgesehen behandeln mich meine Mitschüler wie ein rohes Ei. Ich vermute, unsere Klassenlehrerin hat ihnen von meiner Mutter erzählt. Und jetzt haben sie Mitleid mit mir und lassen mich mit meiner Trauer in Ruhe, obwohl meine Mutter schon ein Jahr tot ist. Aber so ist das nun mal.

Deshalb verbringe ich meine Freizeit meist vorm TV oder PC. Mein Bruder fällt es da leichter. Er ist zwei Jahre älter als ich und geht jetzt in die 10. Klasse auf derselben Schule wie ich. Er hat schnell Anschluss gefunden. Vielleicht liegt das am Alter und seine Klassenkameraden sind cooler drauf als meine. Aber es ist sogar so, dass mein Bruder – ich nenne ihn hier mal der Einfachheit halber Benny – oft Freunde mit nach Hause bringt und mit ihnen XBox zockt oder so. Im Gegensatz zu mir ist Benny sowieso viel offener. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass er hetero und deshalb nicht so unsicher ist wie ich. Ich passe ständig darauf auf, nicht schwul zu wirken. Das muss er nicht.

Benny hatte auch schon mehrere Freundinnen. Er wundert sich manchmal, warum ich noch kein Mädchen mit nach Hause gebracht habe. Er sagt dann: „In deinem Alter hatte ich zehn Mädels an jeder Hand.“ Und das stimmt sogar. Wir haben Glück mit unseren Eltern gehabt und gute Gene geerbt, wenn man das so sagen kann. Mein Vater sieht für sein Alter – er ist 41 Jahre alt – sehr gut aus. Er ist groß, schlank und hat ein schönes Gesicht. Und das haben mein Bruder und ich auch alles geerbt, sodass uns natürlich die Mädchen hinterher gucken. Mein Bruder lässt nichts anbrennen, während ich mich blöd anstelle und jedes Mädchen abweise. Aber das ist ja auch klar… ich bin ja schwul. Trotzdem würde ich gerne eine Freundin haben, damit man keinen Verdacht bei mir schöpft und mein Bruder endlich zufrieden ist. Das ist schon blöd, ich weiß. Es wäre dem Mädchen gegenüber auch nicht fair, aber ich will nicht, dass jemand denkt, dass ich schwul sein könne.

Was kann ich denn noch zu mir und meinem Leben berichten? Mein Vater arbeitet in der Bank. Er kommt deshalb erst am frühen Abend nach Hause. So bin ich nachmittags meist allein zuhause (wenn mein Bruder noch was mit anderen unternimmt). Dafür geht es uns finanziell allerdings ganz gut. Wir haben ein kleines Haus, was ja für uns reicht. Und mein Bruder und ich haben unsere eigenen Zimmer. Vielleicht wollen wir uns eine Katze zulegen, weil wir früher auch mal eine hatten. Aber das überlegen wir noch.

Zu meinen Großeltern kann ich nichts sagen. Ich habe sie nie kennen gelernt. Meine Eltern sind keine Deutschen. Ich sage jetzt nicht, woher sie kommen, aber als sie damals nach Deutschland kamen, haben sie ihre Familie zurückgelassen und wir haben auch keinen Kontakt zu ihnen. Auf Facebook bin ich zwar mit ein paar Verwandten befreundet, aber da ich die Sprache nicht sprechen kann, herrscht da auch kein Austausch.

Wie man sieht, bin ich schon sehr einsam. Darüber bin ich oft traurig. Aber das ist ein anderes Thema…

Heute fang ich mal an…

Schon längere Zeit hatte ich die Idee, einen Blog zu starten und ein bisschen aus meinem Leben zu berichten. Ich schob das die ganze Zeit vor mich hin, weil ich irgendwie Angst hatte, dass jemand mich hier erkennen könnte und herausfindet, wer ich bin. Am schlimmsten wäre es, wenn mich jemand aus der Schule erkennen würde. Aber es gibt etwas, dass ich nicht mehr so für mich behalten möchte. Und daher schreibe ich diesen anonymen Blog. Vielleicht kann ich dann besser damit umgehen.

Aber was ist denn mein großes Geheimnis? Es fällt mir schwer, es auszusprechen. Es hier niederzuschreiben ist aber auch nicht ganz einfach. Aber ich tu‘ es jetzt: Ich. Bin. Schwul.

Jetzt ist es raus. Ja, ich bin schwul. Und keiner weiß es. Ich bin ein 14jähriger Schüler in der 8. Klasse und habe mir meiner Homosexualität zu kämpfen. Auch meine Familie hat keine Ahnung. Das ist manchmal recht hart für mich. Aber vielleicht erhalte ich mehr Mut, wenn ich darüber schreibe und kann mich nach und nach öffnen. Das hoffe ich jedenfalls.

Heute ist Sonntag und da habe ich Zeit, diesen Text hier zu schreiben. Unter der Woche ist meist viel zu tun. Ich bin auf dem gymnasialen Zweig einer Gesamtschule und wir bekommen eine Menge Hausaufgaben. Trotzdem versuche ich, regelmäßig etwas über mich zu schreiben. Es gibt auch vieles, was in der Vergangenheit passiert ist, was ich hier gerne niederschreiben möchte.

Wahrscheinlich werde ich meinen Namen nicht nennen. Und die Namen anderer Personen werde ich hier verändern, damit man sie nicht erkennt und ich dadurch auch nicht erkannt werde. Ich werde auch nicht verraten, woher ich komme. Selbstverständlich werde ich auch keine Fotos von mir posten. So bleibt meine Identität geheim. Dafür kann ich dann umso freier schreiben und ganz private Dinge von mir preisgeben, über die ich gerne schreiben möchte.

Dies ist meine Geschichte. Dies ist mein Leben. Dies bin ich.