Wichteln

Gestern haben wir in der Schule beschlossen, dass wir am letzten Schultag vor den Ferien gemeinsam wichteln. Dafür haben wir ausgelost, wem wir in der Klasse beschenken und uns ein Limit von fünf Euro gesetzt. Ich habe nun Justin gezogen.

Auf der einen Seite bin ich total froh, dass ich nicht Till gezogen habe, denn dann hätte ich total das Herzflattern bekommen und mir total Stress mit dem Geschenk gemacht. Ich hätte definitiv nicht gewusst, was ich ihm besorgen sollte. Hinter allem hätte ich Angst gehabt, dass er oder jemand anderes erkennt, dass ich auf ihn stehe.

Auf der anderen Seite hätte ich lieber ein Mädchen oder sogar eine meiner neuen Freundinnen gezogen. Das wäre mir wahrscheinlich nicht so schwer gefallen. Aber bei Justin weiß ich nun auch nicht, was ich ihm für fünf Euro besorgen soll. Ich habe keine Ahnung, auf welche Musik er steht, sonst hätte ich ihm vielleicht eine CD gekauft. Wahrscheinlich werde ich mal bei Nanu Nana gucken, obwohl der Laden auch nur kitschiges Zeug hat.

Irgendwie stehe ich da ein bisschen unter Druck. Wenn ein Junge einem anderen Jungen etwas schenken muss, sollte es schon irgendwie cool sein. Aber was ist schon cool? Irgendwelche Süßigkeiten? Ich weiß nicht… Morgen schaue ich mal bei Saturn, ob es dort irgendwelche DVD-Filme im Angebot gibt. Manchmal gibt es da etwas für fünf Euro. Dann nehme ich das einfach mit.

Ich bin mal gespannt, wer mich beschenkt. Vielleicht habe ich ja das Glück, dass MICH Till beschenken muss. Da wäre ich echt gespannt. Was es dann auch wäre, ich würde es auf jeden Fall in allen Ehren behalten und es nicht mehr hergeben. Ich weiß, ich spinne, aber was soll ich machen?

Liebeskummer

Das ganze Wochenende konnte ich nicht aufhören, an Nina und Till zu denken. Auf Facebook haben sie schon leider Pärchen-Bilder gepostet und alle unsere Klassenkameraden haben ihnen gratuliert und so. Auch ich habe natürlich „gefällt mir“ angeklickt. Wenn ich es nicht gemacht hätte, wäre es vielleicht aufgefallen. Ich muss ja so tun, als würde ich mich für die beiden freuen.

Aber am liebsten wäre ich derjenige, der mit Till diese Fotos gemacht hätte. Ich würde gerne mit ihm zusammen sein und nicht Nina. Jetzt habe ich mich das ganze Wochenende in mein Zimmer gesperrt und bin nur mal zum Essen rausgegangen. Mein Vater hat schon gedacht, dass ich vielleicht krank bin. Er wollte Näheres wissen. Aber ich wollte nicht mit ihm reden.

Ich hätte ihm auch erzählen können, dass ich traurig bin, dass Nina mit Till zusammen ist, nur eben so, dass es danach klingt, dass ich auf Till eifersüchtig und in Nina verliebt bin. Aber andererseits würde dies nur zu weiteren Problemen führen. Darauf hatte ich keine Lust. Ich wollte einfach allein gelassen werden.

Morgen ist wieder Schule und ich habe gar kein Bock darauf. Wahrscheinlich werden die beiden die ganze Zeit herumturteln und ich muss das mit ansehen. Wenn ich daran denke, zieht es bei mir noch mehr in der Brust. Am liebsten würde ich morgen einfach zuhause bleiben und krank machen. Aber das würde mein Vater wohl nicht erlauben. Und was würde es ändern? Dann müsste ich am Dienstag in die Schule und das mitansehen. Also macht es keinen Unterschied. Ich werde morgen da wohl einfach durchmüssen.

Eifersucht und Neid

Etwas ganz Schlimmes ist passiert. Für mich ist es ein halber Weltuntergang. Schrecklich! Nina ist mit Till zusammen!!!Eigentlich ist es klar, dass jedes Mädchen (und ich) auf diesen heißen Jungen in unserer Klasse stehen. Er sieht gut aus und ist supernett. Und Nina ist wohl das hübscheste Mädchen der Klasse. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie zusammenfinden würde.

Eigentlich kam es nur dazu, weil alle anderen sagten, sie würden ein süßes Paar abgeben. Nina bekam natürlich davon Wind und Mia und Miriam haben sie dazu angetrieben, doch mal auf Till zuzugehen. Ich war so eifersüchtig auf sie und bin es zugegebenermaßen immernoch. Das ist schäbig, das weiß ich. Aber ich kann nichts für meine Gefühle. Jedenfalls war ich dann derjenige, der ihr eingeredet hat, dass Till den ersten Schritt machen muss, weil er der Junge ist. Ich habe das ein wenig mit Macho-Sprüchen untermauert und gesagt, dass ich das machen würde, wenn ich auf ein Mädchen stehen würde und so. Totaler Blödsinn!

Aber so habe ich es geschafft, dass Nina nicht den ersten Schritt unternommen hat. Allerdings wollten die Mädchen dann, dass ich mal mit Till spreche. Als ob ich das hätte tun können. Bei dem Gedanken bekomme ich noch immer weiche Knie. Sie fanden mein Verhalten höchst seltsam. Als Ausrede meinte ich, dass das ebenfalls bedeuten würde, sie mache den ersten Schritt, wenn sie einen Freund losschicken würde, Till zu bitten, den ersten Schritt zu machen. Ja, ich weiß, dass das verwirrend klingt. Nina und ihre Freundinnnen haben mir das auch nicht hunderprozentig abgenommen, aber immerhin konnte ich mich so aus der Affäre ziehen.

Aber wie das Schicksal so will, machte es doch irgendwie die Runde. Ich nehme an, Mia und Miriam stecken dahinter. Und heute hat Till Nina einfach gefragt, ob sie mit ihm gehen möchte. Und sie hat natürlich ja gesagt – hätte ich an ihrer Stelle ja auch. Nun bin ich total traurig und wünsche mir, dass sie sich ganz schnell wieder trennen. Ich weiß, dass das total gemein von mir ist, vor allem, wenn ich wirklich langsam ein Freund von Nina werden sollte. Das ist schäbig und asozial von mir. Aber am liebsten wäre ich mit Till zusammen.

Ich muss ihn mir aus dem Kopf schlagen. Schließlich ist er nicht schwul und ich bin noch nicht mal geoutet. Normalerweise dürfte ich mir gar nicht solche Gedanken machen und das einfach vergessen. Ich hoffe, ich schaffe das.

Auf der öffentlichen Toilette

Heute ist mir etwas Abgefahrenes passiert. In die Schule muss ich immer mit der U-Bahn fahren und einmal umsteigen. Nach der Schule musste ich plötzlich so dringend pinkeln, sodass ich auf die öffentliche Toilette an der U-Bahn-Station gegangen bin.

Als ich an das Pinkelbecken kam, waren da ziemlich viele Männer. Einige sind auch gerade fertig gewesen. Ich habe mir erst mal nichts dabei gedacht und stellte mich an einen freien Platz und verrichtete mein Geschäft. Doch ich weiß nicht warum, aber irgendwie kam mir etwas komisch vor. Ich blickte zur Seite und neben mir stand ein älterer Mann – also auf jeden Fall älter als mein Vater mit grauen Bart. Er trug einen Anzug. Und na ja, was soll ich sagen… ich bin ja schwul und ich müsste lügen, wenn ich beim Pinkeln nicht auch mal nach links und rechts auf die Pimmel anderer Männer gucken würde. Auch in der Schule mach ich das – natürlich unauffällig.

Jedenfalls sah ich dann, dass der Mann neben mir einen Steifen hatte und sich neben mir einen runterholte. Ich war zunächst total geschockt und mein Herz fing zu rasen an. Ich war bestimmt knallrot im Gesicht. Ich glaub, der Kerl merkte auch, dass ich seinen Pimmel angeschaut habe und machte auch keine Anstalten, ihn zu verstecken. Ich schaute mich dann um und hinter mir standen auch zwei Männer, die offensichtlich nicht pinkelten. Ich glaube, die Männer waren alle da, weil sie sich einen runterholen wollten.

Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Ich muss zugeben, dass mich das schon ein wenig angemacht hat. Der Mann war zwar alt, aber er war jetzt nicht hässlich oder eklig oder so. Er war nicht fett, sondern trug sogar einen Anzug. Und sein Pimmel war ebenfalls schön anzusehen. Trotzdem packte ich schnell meinen ein und verließ die Toilette fluchtartig.

Zuhause musste ich mich dann erstmal zusammennehmen. Als ich so daran dachte, bekam ich auch einen Ständer. Ich muss hier jetzt nicht erwähnen, was ich dann gemacht habe. Eben habe ich dann im Internet mal ein bisschen geschaut und die U-Bahn-Haltestelle gegooglet. Tatsächlich habe ich auch was gefunden. Da ist wohl eine „Cruising Area“ – so nennt man öffentliche Orte, an denen sich Schwule treffen und Sex miteinander haben. Ich wusste gar nicht, dass es so was gibt – und dann auch in unserer Stadt.

Jetzt bin ich total neugierig und will da morgen vielleicht noch mal hingehen. Aber irgendwie habe ich auch Angst. Viele denken bestimmt, dass da abnormale Perverse sind, die sich da aufhalten. Und dann hat der eine Mann einem Jugendlichen wie mir seinen Steifen gezeigt. Das mag ja vielleicht auch so sein. Aber für mich ist das irgendwie aufregend und solange mir keiner etwas tut, macht es mich sehr neugierig. Natürlich ist es auch beängstigend. Was ist, wenn mich da wirklich einer vergewaltigen will? Aber die U-Bahn ist so öffentlich und wenn ich da schreie, würde man mich sicherlich hören.

Ach ich weiß einfach nicht. Ich bin jetzt in Zwiespalt. Ich weiß noch nicht, ob ich da noch mal hingehe. Vielleicht ist das tatsächlich zu gefährlich und ich lasse es lieber. Aber von dem Erlebnis von heute werde ich heute Nacht sicherlich noch einen feuchten Traum haben…

Shopping Queen

Mich ständig verstellen zu müssen, ist etwas, was ich in meinem Leben hasse. Ich muss immer besonders auf männlich machen, damit ja keiner bemerkt, dass ich schwul bin. Das nervt mich total und strengt mich an. Wie gerne würde ich einfach so sein, wie ich wirklich bin. Aber keiner soll ja mein Geheimnis erfahren.

Doch es gibt ein paar Dinge, die ich nicht verstecken kann oder will oder ich einfach auch mal vergesse. Heute haben Miriam, Mia und Nina in der Schule über Shopping Queen gesprochen. Das ist die Fernsehsendung auf VOX mit dem Designer Guido Maria Kretschmer. Fünf Kandidatinnen müssen sich mit 500 Euro innerhalb von vier Stunden ein Outfit zu einem Motto kaufen. Am Ende der Sendung wird das jeweilige Outfit bewertet. Kretschmer kommentiert das ganze immer mit lustigen Sprüchen.

Was für ein Klischee… Aber ich gucke das gerne. Und als meine neuen Freundinnen darüber geprochen haben, habe ich mir nichts dabei gedacht und habe meinen Senf dazu abgegeben. Da ist es ja kein Wunder, dass man da auf den Gedanken kommt, dass ich schwul sein könnte. Ohne darüber nachzudenken, hat Mia das auch geäußert. Wie ich reagiert habe? Ich habe das mit einem Lachen überspielt, auf das die Mädels eingestiegen sind. Und damit war das Thema gegessen. Trotzdem habe ich Angst, dass jetzt der Verdacht aufgekommen ist und vielleicht später noch mal thematisiert wird. Ich weiß gar nicht, wie ich dann reagieren soll. Wahrscheinlich werde ich es einfach abstreiten.

Aber so ist das mit den typisch „schwulen“ Themen. Darüber darf ich mich nicht äußern und muss schweigen. Wie gerne würde ich auch mal über Jungs schwärmen oder frei äußern, welche Musik ich höre. Aber dann würde man wahrscheinlich sofort merken, dass ich schwul bin.

Zuhause kann ich da etwas freier sein. Ich glaube, mein Bruder und mein Vater bemerken das gar nicht. Und selbst wenn sie etwas bemerken würden, würden sie es verdrängen. Das ist normal, denn wer will schon einen schwulen Sohn oder Bruder haben? Dann ignoriert man, dass der Sohn ganz laut Britney Spears in seinem Zimmer hört und jeden Song mitsingt. Davon abgesehen bin ich ja da reingewachsen. Ich habe schon mit 8 oder 9 gerne Rihanna oder Britney gehört und mitgeträllert. Und da denkt man ja nicht über die Sexualität des Kindes nach. Und so gewöhnt man sich an den Geschmack. Jedenfalls stelle ich mir das vor.

Aber bei neuen Freunden oder Klassenkameraden ist das anders. Diese würen sofort Verdacht schöpfen. Also muss ich aufpassen. Ich versuche mich in dieser Hinsicht zurückhaltend zu verhalten. Es reicht ja, dass ich auch so schon der Außenseiter bin. Ich möchte nicht auch noch zum Mobbing-Opfer werden.

Freunde einladen ist schwer

Jeden Tag beschäftigt mich etwas Neues. Nie komme ich mal zu Ruhe. Aber auch das gehört wahrscheinlich zum Leben eines 14jährigen Jungen…

Heute Morgen habe ich meinem Vater von meinen „neuen Freundinnen“ erzählt. Ich verstehe mich ja jetzt in der Schule ein bisschen besser mit Nina, Mia und Miriam. Auch gestern und heute haben wir die ganzen Pausen miteinander verbracht und auch in den Fünfminutenpausen beziehen sie mich ein. Das finde ich klasse.

Ich habe das meinem Vater erzählt, weil er sich ständig bei mir erkundigt, wie es mir geht. Ich glaube, es beschäftigt ihn schon ein wenig, dass ich es schwer habe, Anschluss zu finden. Also wollte ich ihm einmal eine gute Nachricht überbringen, damit er sich besser fühlt. Also erzählte ich – vielleicht ein wenig zu überschwänglich – dass ich mich in der Schule mit drei Mädchen angefreundet habe. Mein Bruder hat das mitgekriegt und gleich einen blöden Spruch abgelassen – von wegen „geiler Hecht“ und „Playboy“ und so.

Na ja, mein Vater fand es jedenfalls auch gut und schlug jetzt vor, dass ich sie doch mal zu uns einladen könnte. Mist! Jetzt habe ich ihn da auf eine Idee gebracht. Natürlich wäre es cool, wenn ich Freunde mit nach Hause bringen könnte. Aber andererseits sind wir jetzt noch nicht so eng miteinander, dass ich sie einfach zu mir einladen würde. Ich glaube, das wäre ein bisschen zu aufdringlich, oder? Also ich traue mich das noch nicht. Ich wüsste gar nicht, wie ich das anstellen soll. So was muss sich doch ergeben und kann nciht erzwungen werden. Aber wenn jetzt mein Vater erwartet, dass sie zu uns kommen, habe ich ein Problem. Ich will ja nicht, dass er denkt, dass ich gelogen habe oder so. Jetzt muss ich mir echt überlegen, was ich mache.

Gruppenarbeit in der Schule

Seit ein paar Tagen müssen wir für den Englischunterricht ein Poster in Gruppenarbeit erstellen. Als Außenseiter wurde ich einfach einer Gruppe zugeteilt, die aus drei Mädchen in meiner Klasse besteht. Das sind Nina, Miriam und Mia. Die drei bilden ihre eigene kleine Clique und hängen immer zusammen – einzeln erwischt man sie nie.

Nina ist eine wirkliche kleine, zierliche, süße Maus mit langen, dunkelblonden Haaren. Auffällig sind ihre großen Bambiaugen. Ich glaube, sie entfacht einen Beschützerkomplex bei den Jungs in der Klasse und daher stehen irgendwie alle auf sie. Zuletzt war sie mit einem Typen aus der 10. Klasse zusammen, wie ich mitbekommen habe. Miriam trägt eine Brille und hat eine Zahnspange. Auch sie hat langes Haar, aber es ist dunkler als Ninas. Sie ist auch ziemlich hübsch, wie ich finde, aber ich glaube, die Jungs finden ihre Brille und ihre Zahnspange nicht so toll. Aber sie scheint wirklich witzig zu sein. Bei der Gruppenarbeit bringt sie uns ständig zum Lachen. Die letzte der drei ist Mia. Sie ist eine kleine, etwas pummelige Italienierin mit einem vorlauten Mundwerk. Das liegt wahrscheinlich an ihrem Temperament. Sie zickt ständig mit den Jungs herum, sodass ich vermute, dass sie einfach nur Aufmerksamkeit sucht. Aber so scheint sie auch ganz nett zu sein.

Durch die Gruppenarbeit kam ich jetzt mit diesen drei in Kontakt. Irgendwie taten sie sich mit dem Thema und dem Poster etwas schwer. Englisch ist auch nicht ihre Stärke. Daher muss ich die meiste Arbeit übernehmen. Das beeindruckte sie anscheinend so sehr, dass sie sich mir öffneten. Sie fragten mich total aus und wollten viel über mich wissen. Heute haben sie sogar die großen Pausen mit mir verbracht und mit mir gesprochen. Ich hasse es eigentlich, so im Mittelpunkt zu stehen, aber wenigstens war ich dann nicht wieder alleine. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn wir uns näher anfreunden würden. Aber ich denke, dass das jetzt nur wegen dieser Gruppenarbeit so ist und sie mich danach wieder links liegen lassen. Mal sehen. Ich versuche auf jeden Fall ein bisschen offener zu sein und sie näher kennen zu lernen.

Facebook-Freunde

Gestern habe ich einen ganz mutigen Schritt gewagt. Ich hatte schon von meinem Klassenkamerad Till erzählt, den ich so süß finde. Schon ein paarmal habe ich mir seine Facebook-Seite angeschaut, aber wenn man nicht mit ihm befreundet ist, kann man da nicht viel sehen.

Jetzt muss ich hinzufügen, dass ich auf Facebook nur mit ein paar Mädchen aus der Klasse befreundet bin. Diese haben mich gleich angefragt, als ich neu in die Klasse kam. Aber darüber hinaus haben sie nicht mit mir geschrieben oder so. Ich glaube, sie wollten einfach nur ihre Freundschaftsliste erweitern. Von den Jungs hat mich bisher keiner angefragt und ich habe mich auch nicht getraut, sie anzufragen.

Aber gestern habe ich mich einfach mal getraut, Till anzufragen und erhoffte mir, dass er mich annimmt. Falls er mich darauf ansprechen würde, hatte ich mir die Ausrede parat gelegt, dass ich auch so jemand bin, der seine Freundesliste erweitern will. Natürlich habe ich zum Alibi auch gleich alle anderen Klassemkameraden hinzugefügt, die ich finden konnte. Und siehe da – die meisten haben mich auch angenommen, darunter auch TILL! Ich habe mich so gefreut.

Sofort habe ich mich auf seinem Profil umgeschaut. Besonders haben mich seine Fotos interessiert. Und die haben mich umgehauen. Er hat nämlich auch Urlaubsfotos online, auf denen er am Strand in Badehose zu sehen ist. Natürlich trägt er – wie heutzutage üblich – weite Badeshorts. Aber seinen Körper kann man darauf betrachten. Da gerate ich völlig ins Schwärmen.

Aber es gibt auch einige Fotos, auf denen er mit Mädchen zu sehen ist. Ich nehme an, darunter sind auch einige Ex-Freundinnen von ihm. Zurzeit ist er wohl solo, wie ich das mitbekommen habe. Manchmal sind auch andere meiner Klassenkameraden auf den Fotos. Sie sind dann auch verlinkt. Die Profile von Max, Simon und Justin habe ich mir auch angesehen. Die drei haben auch ein paar nette Fotos. Simon hat auch ein Foto, auf dem er wohl mit seinem älteren Bruder zu sehen ist. Der scheint auch ein heißer Typ zu sein.

Wie gerne wäre ich mit ihnen auch im wirklichen Leben befreundet… Am liebsten würde ich sie anschreiben. Aber ich denke, ich werde jetzt einfach mal hin und wieder ein paar Posts von ihnen liken. Vielleicht bemerken sie das ja. Ich darf nur nicht zu auffällig sein.

Internetpornografie

Wer glaubt, dass Jungs in meinem Alter so brav sind und im Internet nur harmlose Dinge anschauen, hat sich tief in den Finger geschnitten. Natürlich schauen wir uns verbotenerweise auch Pornos im Internet an. Und dies kann ich nicht nur aus eigener Erfahrung behaupten. Meine Schulkameraden kennen alle großen und bekannten Pornoseiten und auch wenn sie nur scheinbar Witze darüber reißen, bin ich mir sicher, dass sie diese Seiten täglich besuchen.

Es ist ja auch ganz einfach. Meist wird man ja nur gefragt, ob man mindesten 18 Jahre alt ist. Da braucht man nur „Ja“ anklicken, auch wenn das gar nicht stimmt. Das kontrolliert ja keiner. Also kann man sich solche Videos ganz frei anschauen – ganz zu schweigen von Bildern, die man allein durch eine Googlesuche findet (wenn man den Filter ausschaltet).

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich mir natürlich Schwulenpornos anschaue. Und natürlich hole ich mir dabei einen runter. Das mache ich schon so, seitdem ich zwölf war. Manchmal verbringe ich sogar Stunden auf solchen Seiten. Ich habe ja mein eigenes Zimmer und auch meinen eigenen Laptop. Mein Vater und mein Bruder lassen mich da auch in Ruhe. Meist sind sie ja sowieso nicht da und da brauche ich auch keine Angst haben, erwischt zu werden. Auch wenn sie da sind, klopfen sie vorher an, bevor sie in mein Zimmer kommen. Also brauche ich mir da keine Sorgen machen.

Ich bin mir darüber hinaus auch ziemlich sicher, dass mein Bruder ebenfalls Pornos anschaut. Ich bin ja nicht blöd. Er ist zwei Jahre äter als ich und bei ihm spielen die Hormone der Pubertät bestimmt auch verrückt. Wahrscheinlich wird er sich andere Sachen anschauen, aber er macht das hundertprozentig auch.

Vielleicht werden jetzt einige wieder denken, dass mir das schadet und werden die Pornografie verteufeln. Ich habe nicht das Gefühl, dass es mir schadet. Ich bin froh darüber, dass ich so meine Fantasie befriediegen kann. Und da ich weiß, dass das jeder macht bzw. gemacht hat als Jugendlicher (jedenfalls seitdem es Internet gibt), müssten ja alle irgendwie gestört sein. Sind wir das?

Erektionen verstecken

Heute möchte ich mal über ein weiteres Problem von mir berichten. Dieses Problem ist mir sehr unangenehm und stresst mich täglich. Und zwar bekomme ich oft und überall eine Erektion. Egal, wo ich mich befinde, muss ich meinen steifen Pimmel verstecken. Ständig habe ich Angst, dass das jemand sieht.

In der Schule, wenn ich auf meinem Platz sitze, geht das ja dann noch. Da kann ich das leicht verstecken, indem ich meine Beine zusammenhalte oder so. Aber besonders schlimm ist es im Sportunterricht. Da trage ich ja meist nur eine Jogginghose. Da kann man das am wenigsten verbergen. Wenn ich merke, dass sich wieder etwas in meiner Hose tut, haue ich schnell auf die Toilette ab und gucke da, dass sich das ganz schnell wieder legt – im wahrsten Sinne des Wortes.

In der Jungenumkleide passiert das auch manchmal – gerade wenn die anderen Jungs mal wieder mit ihren Pimmeln herumspielen, oder ich mich überhaupt umschaue und die Beulen der anderen anschaue. Dann setze ich mich immer auf die Bank und tue so, als ob es besonders lang dauert, bis ich meine Schnürsenkel oder so aufbekomme. Da muss ich mich nämlich ganz nach vorne beugen und kann meinen Pimmel gut verstecken.

Darüber hinaus kommt hinzu, dass ich auch noch zugegebenermaüen „gut ausgestattet“ bin. Da wurde ich wohl von der Natur gesegnet und eigentlich finde ich das ganz gut, dass ich nicht so einen kleinen Pimmel habe. Aber wenn ich einen Steifen bekomme, ist es natürlich besonders schwer, ihn zu verstecken.

Ich weiß auch langsam nicht mehr, was ich tun soll. Im Internet habe ich zwar nachgelesen, dass das völlig normal für einen Jungen in meinem Alter ist, aber unangenehm ist es mir schon. Ich habe mir schon überlegt, ob ich mal mit meinem Bruder darüber rede, ob er nicht vielleicht das gleiche Problem hat oder hatte. Aber das ist mir auch sehr peinlich. Jetzt wünschte ich mir, ich hätte einen besten Freund, mit dem ich über alles reden könnte.

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