Ich bin wieder hier

Puh! Es ist sehr lange her, seit ich meinen letzten Eintrag verfasst habe. Ich habe gerade gesehen, dass es der 17. Januar war und jetzt haben wir schon September. Woran das lag? Ich hatte wohl einfach keine Lust. Aber jetzt habe ich mal wieder meine Favoriten im Browser durchforstet und meinen Blog wiederentdeckt. Und da so viel in den letzten Monaten passiert ist, dachte ich, ich könnte den Blog wieder mal aktualisieren. Mal sehen, wie lange ich diesmal Bock habe, hier zu schreiben.

Aber zumindest kann ich hier schon mal sagen, dass ich mittlerweile 15 Jahre alt geworden bin und jetzt in die 9. Klasse komme. Bei meiner Familie ist eigentlich alles beim Alten und noch immer weiß nicht, dass ich schwul bin. Und wenn es jemand erfährt, würde ich bestimmt von ein paar Leuten Ärger bekommen.

Mein Bruder ist mittlerweile auch 17 geworden und wird bald sogar volljährig. Ich bin da ganz schön neidisch. Er wechselt jetzt auf eine gymnasiale Oberstufe und ist dann nicht mehr auf meiner Schule. Aber das ist nicht mehr so schlimm, denn ich habe nun ein paar Freunde auf meiner Schule gefunden. Mit Mia, MIriam und Nina bin ich immer noch befreundet. Aber Nina ist schon lange nicht mehr mit Till zusammen. Der hatte inzwischen schon wieder ein paar andere Freundinnen.

Und was bei mir so los war, erzähle ich in den nächsten Beiträgen.

Meine Klasse

Meine Klassenkameraden sind eigentlich ganz nett. Es hätte mich schlimmer treffen können, als ich neu auf die Schule gekommen bin. Zwar war ich vorher noch nie in einer solchen Siutation, aber ich stelle mir vor, dass man sich das schlimmste ausmalt. So war es jedenfalls bei mir. Ich dachte, ich werde zum Außenseiter und Mobbing-Opfer. Ich stellte mir die schlimmsten Hänseleien von „Homo“ bis „Schwuchtel“ vor, wenn sie eventuell bemerken würden, dass ich schwul bin. Dabei bemühe ich mich stets, sehr männlich zu wirken und lege zum Beispiel meine Beine nicht so tuntig übereinander.

Aber meine Sorgen hatten sich nicht bestätigt. Meine Klassenkameraden sind eigentlich ganz nett. Wie schon mal erwähnt, vermute ich, dass meine Klassenlehrerin ihnen von dem Tod meiner Mutter erzählt haben muss. Denn sie lassen mich in Ruhe und sind ansonsten recht freundlich. Wenn es um schulische Angelegenheit geht, behandeln sie mich auch ganz normal. Wenn wir zum Beispiel eine Parnterarbeit machen, behandelt mich niemand komisch, sondern arbeitet ganz normal mit mir zusammen. Aber darüber hinaus werde ich einfach links liegen gelassen. Die Pause verbringe ich meist alleine. Dann setze ich mich in die Pausenhalle und lese in meinem Buch.

Als ich in die Klasse kam, fielen mir natürlich zuallererst die Jungs auf. In meiner Klasse sind wir 26 Schüler, davon sind 14 Jungen. Darunter sind wiederum ein paar, die ich nicht sonderlich attraktiv finde, wie den dicken Lukas oder Aarif, den Pakistaner. Aber in meiner Klasse sind auch heiße Typen. Ganz oben steht da natürlich Till. Seit ich seinen Pimmel gesehen habe, finde ich ihn noch besser. Aber vorher fand ich ihn auch schon total heiß. Er ist sehr sportlich und hat so lange blonde Haare wie ein typischer Surfer-Boy. Besonders gefallen mir seine blauen, strahlenden Augen und seine schneeweißen Zähne. Ich stehe auf gepflegte Zähne und er hat die weißesten, die ich je gesehen habe. Jetzt wird es hier richtig gay, aber ich finde ihn einfach zum Dahinschmelzen.

Aber Max, Simon und Justin sind auch sehr hübsch. Wenn einer von ihnen mich ansprechen würde, wäre ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Aber das tut ja keiner. Auch die Mädchen nicht. Sie lassen mich einfach in Ruhe und ich denke, sie sind der Meinung, ich würde noch immer trauern. Ich frage mich, wie ich ihnen zeigen kann, dass sie mich nicht so in Watte packen müssen. Wenn ich ein wenig offener wäre und auf sie zugehen würde, würde ich vielleicht mit jemanden Freundschaft schließen können. Aber solange ich so verschlossen bin, verbringe ich meine großen Pausen weiterhin allein.

Sportunterricht

Heute hatten wir wieder Sport in der Schule. Das ist ein Fach, dass ich gleichzeitig hasse, aber auch liebe. Ich habe vorher Angst, obwohl ich mich auch sehr freue – besonders jetzt an meiner neuen Schule.

Wir sind in Kurse aufgeteilt und ich bin im Badminton-Kurs in diesem Halbjahr. Außerdem haben wir Jungs getrennt Unterricht von den Mädels. Da ich auf einer Gesamtschule bin, heißt das, wir haben mit Haupt- und Realschülern gemeinsam Sportunterricht. Und das ist auch der Grund, warum ich Angst habe, mich aber auch gleichzeitig freue.

Im Hauptschulzweig sind einige richtige Assis auf meiner Schule – richtige Prolleten und Machos. Drei von ihnen sind in meinem Sportkurs – Ali, Ahmed und Mehmet. Die drei beleidigen nur und sind für ihre Agressivität bekannt. Wenn es eine Schlägerei bei uns auf der Schule gibt, ist mindestens einer von den dreien daran beteiligt. Deshalb habe ich total Angst vor ihnen. Wenn die herausfinden oder nur ahnen, dass ich schwul bin, kann ich mich auf etwas gefasst machen. Ich glaube, man könnte mich dann ins Krankenhaus einliefern lassen.

Auf der anderen Seite finde ich sie total heiß. Alle drei sehen gut aus und haben einen wirklich durchtrainierten Body. Davon abgsehen machen sie in der Jungenumkleide immer nur scheiße und schämen sich nicht, ihre Hosen runter zu lassen. Wenn sie sich umziehen, machen sie sich immer komplett nackt und machen Späße mit ihren Pimmeln. Sie nehmen sie beispielsweise in die Hand und lassen sie wie Propeller kreisen. Sie hauen sich auch gegenseitig damit oder fassen sich gegenseitig an – natürlich mit schlaffen Pimmel und nicht steif. Aber trotzdem macht das mich an und wenn ich zuhause bin, denke ich beim Wichsen immer daran. In der Schule muss ich immer aufpassen, sie nicht anzustarren, weil sie ja merken könnten, dass ich schwul bin.

Heute haben sie damit angefangen sich gegenseitig, aber auch uns anderen Jungs die Hose runterzuziehen – nicht nur in der Umkleide, sondern auch in der Sporthalle. Jetzt habe ich Angst, dass ich sie mir die Hose runter ziehen und ich dann einen Steifen bekomme oder so. Das Gute daran ist, dass ich jetzt auch den ein oder anderen Pimmel der anderen Jungs gesehen habe. So habe ich gesehen, dass mein Klassenkamerad Till einen richtig langen hat, auch wenn er schlaff war. Die drei Hauptschüler haben gejolt, als sie seinen gesehen haben. Sie haben auch keine kleinen Pimmel, aber ich glaube, Tills Penis wirkt wegen seiner Vorhaut noch mal größer. Ali, Ahmet und Mehmet sind ja beschnitten und Till nicht. Ich muss zugeben, dass ich unbeschnittene Pimmel lieber mag.

Nun bin ich total aufgeregt darüber, dass ich Tills Pimmel gesehen habe. Ich muss die ganze Zeit an ihn denken und würde ihn gerne auch steif sehen. Ich hoffe, ich kann nächsten Mittwoch wieder einen Blick auf ihn werfen. Aber die Jungs dürfen nicht merken, wie ich ticke. Hoffentlich schöpft keiner Verdacht.

Einsamkeit

Gestern habe ich ja schon angedeutet, dass ich mich oft alleine fühle. Das ist ja auch kein Wunder.

Vor einem Jahr ist ja meine Mutter leider gestorben. Sie war sehr krank. Ich möchte aber nicht erzählen, was sie hatte, weil man mich dann vielleicht erkennen könnte. Aber so viel sei gesagt: Es war sehr schlimm für mich. Sie war meine engste Bezugsperson und ich habe ihr alles – na ja, fast alles – über mich erzählt. Wenn ich von der Schule heim kam, habe ich ihr immer erst alles erzählt, was in der Schule passiert ist.  Mein Vater war ja meist auf der Arbeit und mein Bruder hatte sein eigenes Leben. Jetzt fehlt sie wirklich sehr und ich denke noch immer viel an sie.

Auf meiner alten Schule hatte ich darüber hinaus einige Freunde. Zugegebenermaßen waren es mehr Freundinnen als Freunde, was sehr verdächtig ist, wie ich weiß. Aber es hat niemand etwas gesagt. Ich hatte auch einen Kumpel, mit dem ich seit dem Kindergarten befreundet war. Ich glaub, er war auch nicht komplett hetero. Kurz bevor wir uns verkracht hatten, haben wir angefangen „schwule“ Dinge zu tun. Beispielsweise haben wir uns gegenseitig Dinge weggenommen und vorne in unsere Hose gepackt. So musste man dem anderen in die Hose greifen, um sich die Dinge zu holen. Anfangs haben wir so getan, als wäre das voll eklig und schwul (ich musste ja so tun, als würde ich das schlimm finden). Aber dann haben wir uns tatsächlich in die Hose gefasst. Nach und nach haben wir damit angefangen, unsere Eier und schließlich unsere Pimmel in die Hand zu nehmen. Die wurden auch steif. Immer zogen wir die Hände schnell zurück und sagten so was wie „Iiiihhh“ oder „Ekelhaft“ oder „Wie schwul“. Aber ich bin sicher, dass diese Spiele nicht nur mir gefallen haben. Oftmals musste ich danach immer schnell aufs Klo und da habe ich mir einen runtergeholt.

Aber dann haben wir uns immer öfter gestritten, bis es schließlich einen großen Krach gab. Seit daher sind wir getrennte Wege gegangen und ich hatte nur noch meine Freundinnen. Aber als wir umgezogen sind, ist der Kontakt eigentlich so gut wie gar nicht mehr da. Wir sind zwar noch über Facebook befreundet und schreiben uns Kommentare oder auch mal persönliche Nachrichten, aber das war es auch schon.

Wie man sieht, habe ich niemanden mehr. Ja, ich liebe meinen Vater und meinen Bruder, aber ersetzen keine Freunde. Am Wochenende unternehmen wir drei auch mal was zusammen und gehen ins Kino oder so. Aber meist haut Benny schnell ab, um sich mit Freunden zu treffen. Und dann sind mein Vater und ich alleine. Und meinem Vater kann ich nicht alles erzählen, so wie ich es bei meiner Mutter konnte. Und davon abgesehen habe ich ja auch nichts zu erzählen. So sind es meist nur sehr oberflächliche Gespräche zwischen uns.

Ich wünsche mir schon ein paar enge Freunde. Doch am liebsten hätte ich natürlich einen festen Freund, mit dem ich alles machen könnte. Ich würde auch gerne mal mit einem süßen Jungen knutschen oder solche Spiele treiben wie mit meinem ehemaligen Kumpel. Das wäre schön. Potentielle Kandidaten gäbe es da schon, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Heute fang ich mal an…

Schon längere Zeit hatte ich die Idee, einen Blog zu starten und ein bisschen aus meinem Leben zu berichten. Ich schob das die ganze Zeit vor mich hin, weil ich irgendwie Angst hatte, dass jemand mich hier erkennen könnte und herausfindet, wer ich bin. Am schlimmsten wäre es, wenn mich jemand aus der Schule erkennen würde. Aber es gibt etwas, dass ich nicht mehr so für mich behalten möchte. Und daher schreibe ich diesen anonymen Blog. Vielleicht kann ich dann besser damit umgehen.

Aber was ist denn mein großes Geheimnis? Es fällt mir schwer, es auszusprechen. Es hier niederzuschreiben ist aber auch nicht ganz einfach. Aber ich tu‘ es jetzt: Ich. Bin. Schwul.

Jetzt ist es raus. Ja, ich bin schwul. Und keiner weiß es. Ich bin ein 14jähriger Schüler in der 8. Klasse und habe mir meiner Homosexualität zu kämpfen. Auch meine Familie hat keine Ahnung. Das ist manchmal recht hart für mich. Aber vielleicht erhalte ich mehr Mut, wenn ich darüber schreibe und kann mich nach und nach öffnen. Das hoffe ich jedenfalls.

Heute ist Sonntag und da habe ich Zeit, diesen Text hier zu schreiben. Unter der Woche ist meist viel zu tun. Ich bin auf dem gymnasialen Zweig einer Gesamtschule und wir bekommen eine Menge Hausaufgaben. Trotzdem versuche ich, regelmäßig etwas über mich zu schreiben. Es gibt auch vieles, was in der Vergangenheit passiert ist, was ich hier gerne niederschreiben möchte.

Wahrscheinlich werde ich meinen Namen nicht nennen. Und die Namen anderer Personen werde ich hier verändern, damit man sie nicht erkennt und ich dadurch auch nicht erkannt werde. Ich werde auch nicht verraten, woher ich komme. Selbstverständlich werde ich auch keine Fotos von mir posten. So bleibt meine Identität geheim. Dafür kann ich dann umso freier schreiben und ganz private Dinge von mir preisgeben, über die ich gerne schreiben möchte.

Dies ist meine Geschichte. Dies ist mein Leben. Dies bin ich.

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