Erwischt auf der öffentlichen Toilette

Heute muss ich mal von einer Situation erzählen, bei der ich sehr große Angst hatte. So eine große Panik hatte ich noch nie zuvor gehabt.

Ich hatte mal hier auf dem Blog berichtet, dass ich eine „Cruising Area“ entdeckt habe. Das ist ein öffentlicher Ort, an dem sich Männer zum Sex treffen. Bei mir in der Stadt gibt es da eine U-Bahn-Station, an dem sich mal ein Mann vor mir einen runter geholt hatte. Von da an wusste ich, was dort los ist.

Da ich danach sehr neugierig war, war ich ein paar Mal in dieser öffentlichen Toilette an der U-Bahn-Station. Da gib es ein Pissoir, an den sich Männer stellen und gegenseitig einen runter holen oder sogar mehr machen. Am Anfang war das total aufregend. Meistens sind die Männer schnell weggegangen, wenn ich in die Toilette kam, weil sie wohl sahen, dass ich ziemlich jung war. Und das war ihnen dann zu heikel. Aber manchmal warteten Männer einfach und hofften wahrscheinlich, dass ich wieder gehe, wenn ich mein Geschäft verrichtet hatte.

So machte ich immer ganz langsam und blieb lange am Pissoir stehen. Und so gab es auch Kerle, die sich nicht versteckten und mir ihren Pimmel zeigten und sich einen runter holten. Erst bin ich schnell abgehauen, aber je öfter ich dahin gegangen bin, desto länger schaute ich zu. Manchmal wollte mich auch ein Mann anfassen oder ich sollte ihn anfassen. Dann bin ich auch immer weg. Wenn da aber mal ein gut aussehender Mann war, holte ich mir auch einen runter.

Das war so krass und so aufregend. Das klingt hier vielleicht so, als wäre ich da regelmäßig hingegangen. In Wirklichkeit war ich vielleicht zweimal im Monat da. Für öfter hatte ich echt Angst. Ich dachte immer, dass mich da jemand erwischen könnte.

An einem Tag vor ein paar Monaten war dann da ein echt scharfer Kerl. Ich schätze ihn so um die 20 Jahre alte. Er war groß, hatte eine dunkle Haut und trug immer Sportklamotten und eine Sporttasche. Ich dachte, dass er immer vom Fitnessstudio kam oder so. Ich weiß es nicht genau. Jedenfalls stellte ich mich neben ihn und wartete ab. Tatsächlich holte er dann auch seinen großen Steifen heraus. Ich machte das gleiche und wir beide wichsten. Das war sehr aufregend. Andere Männer waren auch da und standen hinter uns. Plötzlich sagte jemand laut: „Guten Tag! Kommen Sie bitte mit nach draußen!“ Ich schaute zur Tür und sah zwei Polizisten. Mein Herz klopfte und ich dachte schon, dass ich jetzt ins Gefängnis komme oder so. Aber tatsächlich meinten sie zwei ältere Kerle. Der gut aussehende Typ und ich konnten einfach gehen und wir wurden in Ruhe gelassen. Beim Gehen hörte ich noch, dass die Polizisten die Ausweise der Männer haben wollte.

Seit diesem Vorfall gehe ich da nicht mehr hin. Ich hatte so eine große Angst, dass man mich erwischt hatte. Wenn das so gewesen wäre, hätte man bestimmt meinen Vater informiert. Das wäre so schlimm gewesen. Und das soll nicht mehr passieren. Daher gehe ich da nicht mehr hin.

Liebeskummer

Das ganze Wochenende konnte ich nicht aufhören, an Nina und Till zu denken. Auf Facebook haben sie schon leider Pärchen-Bilder gepostet und alle unsere Klassenkameraden haben ihnen gratuliert und so. Auch ich habe natürlich „gefällt mir“ angeklickt. Wenn ich es nicht gemacht hätte, wäre es vielleicht aufgefallen. Ich muss ja so tun, als würde ich mich für die beiden freuen.

Aber am liebsten wäre ich derjenige, der mit Till diese Fotos gemacht hätte. Ich würde gerne mit ihm zusammen sein und nicht Nina. Jetzt habe ich mich das ganze Wochenende in mein Zimmer gesperrt und bin nur mal zum Essen rausgegangen. Mein Vater hat schon gedacht, dass ich vielleicht krank bin. Er wollte Näheres wissen. Aber ich wollte nicht mit ihm reden.

Ich hätte ihm auch erzählen können, dass ich traurig bin, dass Nina mit Till zusammen ist, nur eben so, dass es danach klingt, dass ich auf Till eifersüchtig und in Nina verliebt bin. Aber andererseits würde dies nur zu weiteren Problemen führen. Darauf hatte ich keine Lust. Ich wollte einfach allein gelassen werden.

Morgen ist wieder Schule und ich habe gar kein Bock darauf. Wahrscheinlich werden die beiden die ganze Zeit herumturteln und ich muss das mit ansehen. Wenn ich daran denke, zieht es bei mir noch mehr in der Brust. Am liebsten würde ich morgen einfach zuhause bleiben und krank machen. Aber das würde mein Vater wohl nicht erlauben. Und was würde es ändern? Dann müsste ich am Dienstag in die Schule und das mitansehen. Also macht es keinen Unterschied. Ich werde morgen da wohl einfach durchmüssen.

Auf der öffentlichen Toilette

Heute ist mir etwas Abgefahrenes passiert. In die Schule muss ich immer mit der U-Bahn fahren und einmal umsteigen. Nach der Schule musste ich plötzlich so dringend pinkeln, sodass ich auf die öffentliche Toilette an der U-Bahn-Station gegangen bin.

Als ich an das Pinkelbecken kam, waren da ziemlich viele Männer. Einige sind auch gerade fertig gewesen. Ich habe mir erst mal nichts dabei gedacht und stellte mich an einen freien Platz und verrichtete mein Geschäft. Doch ich weiß nicht warum, aber irgendwie kam mir etwas komisch vor. Ich blickte zur Seite und neben mir stand ein älterer Mann – also auf jeden Fall älter als mein Vater mit grauen Bart. Er trug einen Anzug. Und na ja, was soll ich sagen… ich bin ja schwul und ich müsste lügen, wenn ich beim Pinkeln nicht auch mal nach links und rechts auf die Pimmel anderer Männer gucken würde. Auch in der Schule mach ich das – natürlich unauffällig.

Jedenfalls sah ich dann, dass der Mann neben mir einen Steifen hatte und sich neben mir einen runterholte. Ich war zunächst total geschockt und mein Herz fing zu rasen an. Ich war bestimmt knallrot im Gesicht. Ich glaub, der Kerl merkte auch, dass ich seinen Pimmel angeschaut habe und machte auch keine Anstalten, ihn zu verstecken. Ich schaute mich dann um und hinter mir standen auch zwei Männer, die offensichtlich nicht pinkelten. Ich glaube, die Männer waren alle da, weil sie sich einen runterholen wollten.

Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Ich muss zugeben, dass mich das schon ein wenig angemacht hat. Der Mann war zwar alt, aber er war jetzt nicht hässlich oder eklig oder so. Er war nicht fett, sondern trug sogar einen Anzug. Und sein Pimmel war ebenfalls schön anzusehen. Trotzdem packte ich schnell meinen ein und verließ die Toilette fluchtartig.

Zuhause musste ich mich dann erstmal zusammennehmen. Als ich so daran dachte, bekam ich auch einen Ständer. Ich muss hier jetzt nicht erwähnen, was ich dann gemacht habe. Eben habe ich dann im Internet mal ein bisschen geschaut und die U-Bahn-Haltestelle gegooglet. Tatsächlich habe ich auch was gefunden. Da ist wohl eine „Cruising Area“ – so nennt man öffentliche Orte, an denen sich Schwule treffen und Sex miteinander haben. Ich wusste gar nicht, dass es so was gibt – und dann auch in unserer Stadt.

Jetzt bin ich total neugierig und will da morgen vielleicht noch mal hingehen. Aber irgendwie habe ich auch Angst. Viele denken bestimmt, dass da abnormale Perverse sind, die sich da aufhalten. Und dann hat der eine Mann einem Jugendlichen wie mir seinen Steifen gezeigt. Das mag ja vielleicht auch so sein. Aber für mich ist das irgendwie aufregend und solange mir keiner etwas tut, macht es mich sehr neugierig. Natürlich ist es auch beängstigend. Was ist, wenn mich da wirklich einer vergewaltigen will? Aber die U-Bahn ist so öffentlich und wenn ich da schreie, würde man mich sicherlich hören.

Ach ich weiß einfach nicht. Ich bin jetzt in Zwiespalt. Ich weiß noch nicht, ob ich da noch mal hingehe. Vielleicht ist das tatsächlich zu gefährlich und ich lasse es lieber. Aber von dem Erlebnis von heute werde ich heute Nacht sicherlich noch einen feuchten Traum haben…

Shopping Queen

Mich ständig verstellen zu müssen, ist etwas, was ich in meinem Leben hasse. Ich muss immer besonders auf männlich machen, damit ja keiner bemerkt, dass ich schwul bin. Das nervt mich total und strengt mich an. Wie gerne würde ich einfach so sein, wie ich wirklich bin. Aber keiner soll ja mein Geheimnis erfahren.

Doch es gibt ein paar Dinge, die ich nicht verstecken kann oder will oder ich einfach auch mal vergesse. Heute haben Miriam, Mia und Nina in der Schule über Shopping Queen gesprochen. Das ist die Fernsehsendung auf VOX mit dem Designer Guido Maria Kretschmer. Fünf Kandidatinnen müssen sich mit 500 Euro innerhalb von vier Stunden ein Outfit zu einem Motto kaufen. Am Ende der Sendung wird das jeweilige Outfit bewertet. Kretschmer kommentiert das ganze immer mit lustigen Sprüchen.

Was für ein Klischee… Aber ich gucke das gerne. Und als meine neuen Freundinnen darüber geprochen haben, habe ich mir nichts dabei gedacht und habe meinen Senf dazu abgegeben. Da ist es ja kein Wunder, dass man da auf den Gedanken kommt, dass ich schwul sein könnte. Ohne darüber nachzudenken, hat Mia das auch geäußert. Wie ich reagiert habe? Ich habe das mit einem Lachen überspielt, auf das die Mädels eingestiegen sind. Und damit war das Thema gegessen. Trotzdem habe ich Angst, dass jetzt der Verdacht aufgekommen ist und vielleicht später noch mal thematisiert wird. Ich weiß gar nicht, wie ich dann reagieren soll. Wahrscheinlich werde ich es einfach abstreiten.

Aber so ist das mit den typisch „schwulen“ Themen. Darüber darf ich mich nicht äußern und muss schweigen. Wie gerne würde ich auch mal über Jungs schwärmen oder frei äußern, welche Musik ich höre. Aber dann würde man wahrscheinlich sofort merken, dass ich schwul bin.

Zuhause kann ich da etwas freier sein. Ich glaube, mein Bruder und mein Vater bemerken das gar nicht. Und selbst wenn sie etwas bemerken würden, würden sie es verdrängen. Das ist normal, denn wer will schon einen schwulen Sohn oder Bruder haben? Dann ignoriert man, dass der Sohn ganz laut Britney Spears in seinem Zimmer hört und jeden Song mitsingt. Davon abgesehen bin ich ja da reingewachsen. Ich habe schon mit 8 oder 9 gerne Rihanna oder Britney gehört und mitgeträllert. Und da denkt man ja nicht über die Sexualität des Kindes nach. Und so gewöhnt man sich an den Geschmack. Jedenfalls stelle ich mir das vor.

Aber bei neuen Freunden oder Klassenkameraden ist das anders. Diese würen sofort Verdacht schöpfen. Also muss ich aufpassen. Ich versuche mich in dieser Hinsicht zurückhaltend zu verhalten. Es reicht ja, dass ich auch so schon der Außenseiter bin. Ich möchte nicht auch noch zum Mobbing-Opfer werden.

Freunde einladen ist schwer

Jeden Tag beschäftigt mich etwas Neues. Nie komme ich mal zu Ruhe. Aber auch das gehört wahrscheinlich zum Leben eines 14jährigen Jungen…

Heute Morgen habe ich meinem Vater von meinen „neuen Freundinnen“ erzählt. Ich verstehe mich ja jetzt in der Schule ein bisschen besser mit Nina, Mia und Miriam. Auch gestern und heute haben wir die ganzen Pausen miteinander verbracht und auch in den Fünfminutenpausen beziehen sie mich ein. Das finde ich klasse.

Ich habe das meinem Vater erzählt, weil er sich ständig bei mir erkundigt, wie es mir geht. Ich glaube, es beschäftigt ihn schon ein wenig, dass ich es schwer habe, Anschluss zu finden. Also wollte ich ihm einmal eine gute Nachricht überbringen, damit er sich besser fühlt. Also erzählte ich – vielleicht ein wenig zu überschwänglich – dass ich mich in der Schule mit drei Mädchen angefreundet habe. Mein Bruder hat das mitgekriegt und gleich einen blöden Spruch abgelassen – von wegen „geiler Hecht“ und „Playboy“ und so.

Na ja, mein Vater fand es jedenfalls auch gut und schlug jetzt vor, dass ich sie doch mal zu uns einladen könnte. Mist! Jetzt habe ich ihn da auf eine Idee gebracht. Natürlich wäre es cool, wenn ich Freunde mit nach Hause bringen könnte. Aber andererseits sind wir jetzt noch nicht so eng miteinander, dass ich sie einfach zu mir einladen würde. Ich glaube, das wäre ein bisschen zu aufdringlich, oder? Also ich traue mich das noch nicht. Ich wüsste gar nicht, wie ich das anstellen soll. So was muss sich doch ergeben und kann nciht erzwungen werden. Aber wenn jetzt mein Vater erwartet, dass sie zu uns kommen, habe ich ein Problem. Ich will ja nicht, dass er denkt, dass ich gelogen habe oder so. Jetzt muss ich mir echt überlegen, was ich mache.