Lovoo

Seit ich ein Smartphone habe, spiele ich gerne damit herum und habe alle möglichen Apps herunter geladen. Vor ein paar Tagen habe ich jetzt eine neue App für mich entdeckt – Lovoo.

Für diese App machen die doch dauern Werbung im Fernsehen und daher habe ich das jetzt mal ausprobiert. Die App ist kostenlos und da kann man ein Profil erstellen. Wenn man das GPS aktiviert, kann man ein Radar anschauen und sehen, wer in der Umgebung ebenfalls flirten will. Man kann sogar nach Schwulen suchen und das so einstellen, dass nur Schwule angezeigt werden.

Ich habe mir auch ein Profil erstellt, aber kein Foto angegeben. Auf meinem Profil bin ich auch schon 18, aber da ich keine Fotos habe, ist es schwer, mit anderen in Kontakt zu treten. Aber ich war erstaunt, wie viele Schwule in meiner Umgebung sind. Die meisten wollen gleich ein Foto von mir, aber da ich keines schicke, ist das Gespräch gleich vorbei. Dann sind da noch viele alte Säcke, dir mir Bilder von ihren Penisen schicken und auch welche von mir haben wollen. Diesen antworte ich dann nicht mehr. Manchmal gibt es auch teilweise Gespräche mit süßen 18jährigen, aber die wollen auch Fotos von mir oder sich mit mir treffen. Dann ist das auch schnell vorbei.

Wenn ich die App einschalte, wünschte ich mir manchmal, dass ich mit outen könnte und ein richtiges Bild hochladen könnte, damit ich wirklich andere Schwule kennenlerne. Aber das kann ich nicht. Zudem bin ich ja eigentlich noch zu jung für diese App. Manchmal erhoffe ich mir auch, dass ich da jemanden finde, den ich kenne. Aber das kam bisher noch nicht vor. Dafür kenne ich auch zu wenig Leute hier in der Umgebung. Auch wenn ich nach Hetero-Typen schaue, ist da niemand, der mir bekannt ist.

Trotzdem ist es irgendwie aufregend mit dieser App. Manchmal stelle ich mir ganz wilde Sachen vor mit heißen Typen, die da angemeldet sind. Dann brauche ich gar keinen Internetporno mehr.

Aufklärung

Seit ein paar Monaten ist mein Bruder Benny in einer „festen Beziehung.“ Und das ist sowas von nervig.

Sie heißt Nadine und er hat sie in der Schule kennengelernt. Mein Bruder hatte schon ein paar Mal irgendwelche Mädels am Start, aber mit ihr ist es anders. Er turtelt die ganze Zeit mit ihr herum. Ständig hängen sie aufeinander und knutschen oder labern sich mit irgendwelchen Liebesbekundungen zu. Immer, wenn sie da ist, ist mein Bruder auch ganz anders. Er ist dann nicht so frech, sondern ganz lieb. Er tut auch so auf romantisch und kauft ihr Rosen oder so.

Tja, und dann war es vor einigen Wochen soweit. Mein Vater dachte sich, dass ein Gespräch zwischen ihm und seinen Söhnen nötig war, denn er vermutete, dass bald was zwischen Nadine und Benny laufen könnte. Und damit er nicht das ganze in ein paar Jahren noch mal machen muss (es war sichtlich unangenehm für ihn), holte er mich zum Gespräch dazu,

Also bestellte er eines Abends Pizza für uns drei und wir setzten uns in die Küche. Und dann fing er an von Sex zu sprechen. Mir war das auch so peinlich und Benny meinte, dass er schon alles wüsste und nicht aufgeklärt werden muss. Doch mein Vater sah es als seine Pflicht an, uns alles beizubringen. Also sprach er von der Entstehung von Babys, von Geschlechtskrankheiten und Verhütungsmittel.

Zum Ende hin gab er uns sogar jedem ein Päckchen Kondome. Da musste mein Bruder so laut lachen, aber mein Vater machte keinen Spaß und fragte uns, ob wir denn wüssten, wie man sie überzieht. Ich blieb ruhig und mein Bruder sagte, aber dass er das natürlich weiß. Doch unser Vater musste es uns trotzdem an einer Banane demonstrieren. Oh mann, war das gruselig. Aber es brachte mich zum Nachdenken, denn ich hatte mir noch nie ein Kondom übergezogen.

Später durften wir dann wieder in unsere Zimmer und da fragte ich meinen Bruder, ob er wirklich schon mal ein Kondom übergezogen hatte. Ich wusste, dass er immer damit angab, dass er schon Sex hatte, obwohl ich wusste, dass das eine Lüge war. Daher ging ich davon aus, dass er beim Kondom auch log. Aber bestand darauf, dass er das wirklich schon gemacht hatte. Er sah aber meine Zweifel und so sagte er mir, dass er es mir beweisen würde.

Und so zog er mich in sein Zimmer. „Was hast du vor?“, fragte ich ihn und schon zog er sich die Hose nach unten. „Ich zeig dir, wie es geht“, antwortete er. Ich fing an zu lachen und sagte, er sollte aufhören. Natürlich hatte ich ihn schon nackt gesehen, aber seinen Steifen wollte ich nun wirklich nicht sehen. Aber ließ sich nicht davon abbringen. Er holte ein Kondom aus der Packung und fing an, sich einen runterzuholen. „Hör auf“, sagte ich noch und wollte aus dem Zimmer, aber er meinte, ich soll mich nicht so anstellen. Wir seien doch Brüder und haben nichts zu verstecken.

Schließlich hatte er eine richtige Latte und ich konnte meinen Blick nicht davon abhalten. Ich weiß jetzt nicht, ob das pervers ist, aber irgendwie fand ich den Anblick geil. Er hatte einen ziemlich großen Schwanz, was mich an meinen eigenen erinnerte. Er war vielleicht etwas dicker, aber genauso ein bisschen nach rechts gekrümmt wie meiner. Und dann stülpte er sich das Kondom über. „Siehst du“, sagte er und dann forderte er mich auf, es auch zu probieren. Aber ich wollte nicht. Das war mir doch zu peinlich. Außerdem hatte ich Angst, dass ich einen Samenerguss kriegen würde und so sagte ich ihm, dass ich das alleine ausprobieren würde. Und dann ging ich aus seinem Zimmer.

Tatsächlich probierte ich dann in meinem Zimmer alleine herum und verbrauchte fast die ganze Kondompackung. Später holte ich mir dann noch einen runter und dachte an Bennys Schwanz. Bin ich jetzt nicht normal? Das beschäftigt mich jetzt eine Weile…

Ein Junge spielt mit Puppen

Immer, wenn ich bei meiner Freundin Miriam zu Besuch bin, überrede ich sie, dass wir mit ihrer kleinen Schwester spielen. Diese wollte nämlich schon seit dem ersten Besuch immer bei uns sein und das fand Miriam nervig. Die Kleine brachte immer ihre Barbies in ihr Zimmer und wollte mit uns spielen.

Und jetzt erfülle ich wieder ein Klischee: Ich finde Barbies toll. Schon als kleiner Knirps hätte ich gerne mit Barbies gespielt, aber weil ich ein Junge war, bekam ich keine. So spielte ich immer mit Playmobil. Die kann man auch teilweise umziehen und so. Aber das ist nicht dasselbe. Barbies fand ich viel toller mit ihren hübschen Kleidern und langen Haaren. Auch Kens finde ich toll.

Bei Miriam ergab sich dann die Gelegenheit. Ich sagte zu ihr, dass wir doch eine halbe Stunde mit ihrer Schwester spielen könnten und dann ließe sie uns in Ruhe. Anfangs war das schon sehr komisch, aber mittlerweile ist es fast schon ein kleines Ritual. Immer, wenn ich bei ihr bin, kommt ihre Schwester angelaufen und fordert uns zum Spielen auf. Ich sage dann immer, dass ich die Kleine zuckersüß finde und doch ein bisschen mit ihr spielen könnten. Miriam tut zwar immer genervt, aber ich merke, dass sie trotz ihres Alters doch gerne mal mit Barbies spielt. Andere in unserem Alter haben schon Sex und wir spielen mit Puppen… Irgendwie peinlich. Aber solange es funktioniert, mache ich das ganz gerne. Nur das darf keiner erfahren. Zum Glück sieht das Miriam genauso.

Erwischt auf der öffentlichen Toilette

Heute muss ich mal von einer Situation erzählen, bei der ich sehr große Angst hatte. So eine große Panik hatte ich noch nie zuvor gehabt.

Ich hatte mal hier auf dem Blog berichtet, dass ich eine „Cruising Area“ entdeckt habe. Das ist ein öffentlicher Ort, an dem sich Männer zum Sex treffen. Bei mir in der Stadt gibt es da eine U-Bahn-Station, an dem sich mal ein Mann vor mir einen runter geholt hatte. Von da an wusste ich, was dort los ist.

Da ich danach sehr neugierig war, war ich ein paar Mal in dieser öffentlichen Toilette an der U-Bahn-Station. Da gib es ein Pissoir, an den sich Männer stellen und gegenseitig einen runter holen oder sogar mehr machen. Am Anfang war das total aufregend. Meistens sind die Männer schnell weggegangen, wenn ich in die Toilette kam, weil sie wohl sahen, dass ich ziemlich jung war. Und das war ihnen dann zu heikel. Aber manchmal warteten Männer einfach und hofften wahrscheinlich, dass ich wieder gehe, wenn ich mein Geschäft verrichtet hatte.

So machte ich immer ganz langsam und blieb lange am Pissoir stehen. Und so gab es auch Kerle, die sich nicht versteckten und mir ihren Pimmel zeigten und sich einen runter holten. Erst bin ich schnell abgehauen, aber je öfter ich dahin gegangen bin, desto länger schaute ich zu. Manchmal wollte mich auch ein Mann anfassen oder ich sollte ihn anfassen. Dann bin ich auch immer weg. Wenn da aber mal ein gut aussehender Mann war, holte ich mir auch einen runter.

Das war so krass und so aufregend. Das klingt hier vielleicht so, als wäre ich da regelmäßig hingegangen. In Wirklichkeit war ich vielleicht zweimal im Monat da. Für öfter hatte ich echt Angst. Ich dachte immer, dass mich da jemand erwischen könnte.

An einem Tag vor ein paar Monaten war dann da ein echt scharfer Kerl. Ich schätze ihn so um die 20 Jahre alte. Er war groß, hatte eine dunkle Haut und trug immer Sportklamotten und eine Sporttasche. Ich dachte, dass er immer vom Fitnessstudio kam oder so. Ich weiß es nicht genau. Jedenfalls stellte ich mich neben ihn und wartete ab. Tatsächlich holte er dann auch seinen großen Steifen heraus. Ich machte das gleiche und wir beide wichsten. Das war sehr aufregend. Andere Männer waren auch da und standen hinter uns. Plötzlich sagte jemand laut: „Guten Tag! Kommen Sie bitte mit nach draußen!“ Ich schaute zur Tür und sah zwei Polizisten. Mein Herz klopfte und ich dachte schon, dass ich jetzt ins Gefängnis komme oder so. Aber tatsächlich meinten sie zwei ältere Kerle. Der gut aussehende Typ und ich konnten einfach gehen und wir wurden in Ruhe gelassen. Beim Gehen hörte ich noch, dass die Polizisten die Ausweise der Männer haben wollte.

Seit diesem Vorfall gehe ich da nicht mehr hin. Ich hatte so eine große Angst, dass man mich erwischt hatte. Wenn das so gewesen wäre, hätte man bestimmt meinen Vater informiert. Das wäre so schlimm gewesen. Und das soll nicht mehr passieren. Daher gehe ich da nicht mehr hin.

Ich hatte eine Freundin

Ja, du hast richtig gelesen! Ich hatte eine Freundin und das war komisch für mich, weil ich ja eigentlich schwul bin. Aber so konnte ich mein Alibi aufrecht erhalten. Aber ich erzähle mal von vorne.

Auf meinem Blog kann man nachlesen, dass ich an Weihnachten letztes Jahr von einer türkischen Mitschülerin bewichtelt wurde. Das war Esra. Und später stellte sich heraus, dass sie in mich verliebt war. Das ging in der Klasse herum und mir war das total unangenehm.

Da ich schwul bin, wusste ich nicht, was ich machen sollte. Auf der einen Seite überlegt ich mir, Esra einen Korb zu geben und das damit zu begründen, dass ich behaupte, dass sie mir zu dick wäre. Aber auf der anderen Seite dachte ich, dass es gut für mein Image wäre, wenn ich eine Freundin hätte. Und schließlich fragte sie mich irgendwann, ob ich mit ihr gehen möchte. Ich sagte ja.

Von da an waren wir zusammen. Sie war sehr glücklich und ging damit überall hausieren. Die ganze Zeit hielten wir Händchen, aber mehr lief nicht – zum Glück! Küssen wollte sie mich nicht, da sie dafür auch zu schüchtern war. In meiner Klasse denkt nun jeder, ich bin hetero, auch wenn sie mich mit der dicken Esra aufgezogen haben – besonders die Jungs.

Mein Bruder erfuhr auf dem Schulhof von meiner Freundin und war sehr stolz auf mich. „Wurde auch mal langsam Zeit“, sagte er zu mir und von da an nannte er mich „Player“. Diese Beziehung hielt aber nur ein paar Wochen. Irgendwann kam Esra zu mir und sagte mir, dass ihre Brüder was dagegen hatten, dass sie einen deutschen Freunde hatte und so machte sie Schluss. Ich tat so, als ob ich das verstand und dass wir Freunde bleiben wollten. Innerlich war ich aber froh.

Nun denkt wohl niemand mehr, dass ich schwul bin und auch heute noch sagen meine Freunde ständig, dass ich ja mal mit Esra zusammen war und so. Keiner fragt mehr, wann ich endlich mal eine Freundin habe. So war das eigentlich ganz gut für mich.

Ich bin wieder hier

Puh! Es ist sehr lange her, seit ich meinen letzten Eintrag verfasst habe. Ich habe gerade gesehen, dass es der 17. Januar war und jetzt haben wir schon September. Woran das lag? Ich hatte wohl einfach keine Lust. Aber jetzt habe ich mal wieder meine Favoriten im Browser durchforstet und meinen Blog wiederentdeckt. Und da so viel in den letzten Monaten passiert ist, dachte ich, ich könnte den Blog wieder mal aktualisieren. Mal sehen, wie lange ich diesmal Bock habe, hier zu schreiben.

Aber zumindest kann ich hier schon mal sagen, dass ich mittlerweile 15 Jahre alt geworden bin und jetzt in die 9. Klasse komme. Bei meiner Familie ist eigentlich alles beim Alten und noch immer weiß nicht, dass ich schwul bin. Und wenn es jemand erfährt, würde ich bestimmt von ein paar Leuten Ärger bekommen.

Mein Bruder ist mittlerweile auch 17 geworden und wird bald sogar volljährig. Ich bin da ganz schön neidisch. Er wechselt jetzt auf eine gymnasiale Oberstufe und ist dann nicht mehr auf meiner Schule. Aber das ist nicht mehr so schlimm, denn ich habe nun ein paar Freunde auf meiner Schule gefunden. Mit Mia, MIriam und Nina bin ich immer noch befreundet. Aber Nina ist schon lange nicht mehr mit Till zusammen. Der hatte inzwischen schon wieder ein paar andere Freundinnen.

Und was bei mir so los war, erzähle ich in den nächsten Beiträgen.

Ich ärgere mich…

Die Schule läuft ja leider wieder seit Montag. Irgendwie habe ich mich wieder darauf gefreut, weil ich meine Freunde, aber auch Till wieder sehen sollte. Doch heute hatten wir wieder Sport und da habe ich mich total geärgert.

Von Ali habe ich ja schon berichtet. Er ist einer der Assi-Jungs, der manchmal zu agressiv ist und Scheiße baut. In der Umkleider hat er dann das Thema „Till und Nina“ angesprochen. Natürlich weiß der ganze Jahrgang, dass sie zusammen sind, da sie immer händchenhaltend über den Schulhof laufen. Jedenfalls hat Ali dann Till gefragt, ob er Nina schon geknallt hätte. Und Till erzählte protzig, dass er tatsächlich schon mit ihr geschlafen habe.

Das machte mich richtig eifersüchtig und ich war total enttäuscht. Auf der einen Seite war ich neidisch auf Nina, dass sie so was mit Till machen konnte und auf der anderen Seite war ich auch traurig darüber, dass ich noch keinen Sex hatte und die beiden mir damit voraus waren. Aber wie Till darüber gesprochen hat, fand ich eklig. Und irgendwie glaubte ich nicht daran, wie er das erzählte. Es klang so, als ob er total viel Erfahrung hätte – dabei ist er so alt wie wir. Auch Ali und seine Freunde meinten, sie hätten auch schon einige Mädels geknallt – aber ganz ehrlich: Die prollen doch nur rum!

Da ich das auch gegenüber Nina fies fand (sie ist ja mittlweile eine Freundin von mir) und ich die Wahrheit erfahren wollte, habe ich sie darauf mal angesprochen. Sie meinte aber, dass sie noch Jungfrau sei und damit noch warten wolle. Ich konnte nicht an mich halten, weil ich so sauer wegen Tills Lügenmärchen war, weshalb ich Nina erzählte, was in der Umkleide erzählt wurde.

Nina war dann auch total sauer und ist sofort zu Till gegangen. Danach gab es ein großes Trara und Till kam auch auf mich zu, warum ich so eine Scheiße erzählen würde. Aber dass es die Wahrheit war, kam dann natürlich dank Ali und seinen Kumpels raus. Die lachten nun Till aus und Till ließ das ganze bei mir aus. Er beleidigte mich und zeigte mir die kalte Schulter. Ich glaube, jetzt bin ich unten durch bei ihm und das ärgert mich. Jetzt kann ich ihn wirklich total vergessen. Und jetzt darf ich mich auf die nächste Sportstunde freuen… Das wird bestimmt kein Zuckerschlecken.

Warum habe ich so geplappert? Es ist doch normal, dass so Jungs rumprollen und andere beeindrucken wollen. Keiner glaubt die Geschichten wirklich. Jetzt bin ich derjenige, der verloren hat.

Na ja… wenigstens ist es gerade unklar, ob Nina und Till noch zusammen sind. Nina will erstmal darüber nachdenken und morgen wird sich wahrscheinlich zeigen, ob sie noch zusammen sind. Ich weiß, ich bin fies, aber wenn sie sich trennen würden, wäre ich erleichtert und müsste nicht mehr so eifersüchtig auf die beiden sein.

Liebeskummer

Das ganze Wochenende konnte ich nicht aufhören, an Nina und Till zu denken. Auf Facebook haben sie schon leider Pärchen-Bilder gepostet und alle unsere Klassenkameraden haben ihnen gratuliert und so. Auch ich habe natürlich „gefällt mir“ angeklickt. Wenn ich es nicht gemacht hätte, wäre es vielleicht aufgefallen. Ich muss ja so tun, als würde ich mich für die beiden freuen.

Aber am liebsten wäre ich derjenige, der mit Till diese Fotos gemacht hätte. Ich würde gerne mit ihm zusammen sein und nicht Nina. Jetzt habe ich mich das ganze Wochenende in mein Zimmer gesperrt und bin nur mal zum Essen rausgegangen. Mein Vater hat schon gedacht, dass ich vielleicht krank bin. Er wollte Näheres wissen. Aber ich wollte nicht mit ihm reden.

Ich hätte ihm auch erzählen können, dass ich traurig bin, dass Nina mit Till zusammen ist, nur eben so, dass es danach klingt, dass ich auf Till eifersüchtig und in Nina verliebt bin. Aber andererseits würde dies nur zu weiteren Problemen führen. Darauf hatte ich keine Lust. Ich wollte einfach allein gelassen werden.

Morgen ist wieder Schule und ich habe gar kein Bock darauf. Wahrscheinlich werden die beiden die ganze Zeit herumturteln und ich muss das mit ansehen. Wenn ich daran denke, zieht es bei mir noch mehr in der Brust. Am liebsten würde ich morgen einfach zuhause bleiben und krank machen. Aber das würde mein Vater wohl nicht erlauben. Und was würde es ändern? Dann müsste ich am Dienstag in die Schule und das mitansehen. Also macht es keinen Unterschied. Ich werde morgen da wohl einfach durchmüssen.

Auf der öffentlichen Toilette

Heute ist mir etwas Abgefahrenes passiert. In die Schule muss ich immer mit der U-Bahn fahren und einmal umsteigen. Nach der Schule musste ich plötzlich so dringend pinkeln, sodass ich auf die öffentliche Toilette an der U-Bahn-Station gegangen bin.

Als ich an das Pinkelbecken kam, waren da ziemlich viele Männer. Einige sind auch gerade fertig gewesen. Ich habe mir erst mal nichts dabei gedacht und stellte mich an einen freien Platz und verrichtete mein Geschäft. Doch ich weiß nicht warum, aber irgendwie kam mir etwas komisch vor. Ich blickte zur Seite und neben mir stand ein älterer Mann – also auf jeden Fall älter als mein Vater mit grauen Bart. Er trug einen Anzug. Und na ja, was soll ich sagen… ich bin ja schwul und ich müsste lügen, wenn ich beim Pinkeln nicht auch mal nach links und rechts auf die Pimmel anderer Männer gucken würde. Auch in der Schule mach ich das – natürlich unauffällig.

Jedenfalls sah ich dann, dass der Mann neben mir einen Steifen hatte und sich neben mir einen runterholte. Ich war zunächst total geschockt und mein Herz fing zu rasen an. Ich war bestimmt knallrot im Gesicht. Ich glaub, der Kerl merkte auch, dass ich seinen Pimmel angeschaut habe und machte auch keine Anstalten, ihn zu verstecken. Ich schaute mich dann um und hinter mir standen auch zwei Männer, die offensichtlich nicht pinkelten. Ich glaube, die Männer waren alle da, weil sie sich einen runterholen wollten.

Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Ich muss zugeben, dass mich das schon ein wenig angemacht hat. Der Mann war zwar alt, aber er war jetzt nicht hässlich oder eklig oder so. Er war nicht fett, sondern trug sogar einen Anzug. Und sein Pimmel war ebenfalls schön anzusehen. Trotzdem packte ich schnell meinen ein und verließ die Toilette fluchtartig.

Zuhause musste ich mich dann erstmal zusammennehmen. Als ich so daran dachte, bekam ich auch einen Ständer. Ich muss hier jetzt nicht erwähnen, was ich dann gemacht habe. Eben habe ich dann im Internet mal ein bisschen geschaut und die U-Bahn-Haltestelle gegooglet. Tatsächlich habe ich auch was gefunden. Da ist wohl eine „Cruising Area“ – so nennt man öffentliche Orte, an denen sich Schwule treffen und Sex miteinander haben. Ich wusste gar nicht, dass es so was gibt – und dann auch in unserer Stadt.

Jetzt bin ich total neugierig und will da morgen vielleicht noch mal hingehen. Aber irgendwie habe ich auch Angst. Viele denken bestimmt, dass da abnormale Perverse sind, die sich da aufhalten. Und dann hat der eine Mann einem Jugendlichen wie mir seinen Steifen gezeigt. Das mag ja vielleicht auch so sein. Aber für mich ist das irgendwie aufregend und solange mir keiner etwas tut, macht es mich sehr neugierig. Natürlich ist es auch beängstigend. Was ist, wenn mich da wirklich einer vergewaltigen will? Aber die U-Bahn ist so öffentlich und wenn ich da schreie, würde man mich sicherlich hören.

Ach ich weiß einfach nicht. Ich bin jetzt in Zwiespalt. Ich weiß noch nicht, ob ich da noch mal hingehe. Vielleicht ist das tatsächlich zu gefährlich und ich lasse es lieber. Aber von dem Erlebnis von heute werde ich heute Nacht sicherlich noch einen feuchten Traum haben…

Shopping Queen

Mich ständig verstellen zu müssen, ist etwas, was ich in meinem Leben hasse. Ich muss immer besonders auf männlich machen, damit ja keiner bemerkt, dass ich schwul bin. Das nervt mich total und strengt mich an. Wie gerne würde ich einfach so sein, wie ich wirklich bin. Aber keiner soll ja mein Geheimnis erfahren.

Doch es gibt ein paar Dinge, die ich nicht verstecken kann oder will oder ich einfach auch mal vergesse. Heute haben Miriam, Mia und Nina in der Schule über Shopping Queen gesprochen. Das ist die Fernsehsendung auf VOX mit dem Designer Guido Maria Kretschmer. Fünf Kandidatinnen müssen sich mit 500 Euro innerhalb von vier Stunden ein Outfit zu einem Motto kaufen. Am Ende der Sendung wird das jeweilige Outfit bewertet. Kretschmer kommentiert das ganze immer mit lustigen Sprüchen.

Was für ein Klischee… Aber ich gucke das gerne. Und als meine neuen Freundinnen darüber geprochen haben, habe ich mir nichts dabei gedacht und habe meinen Senf dazu abgegeben. Da ist es ja kein Wunder, dass man da auf den Gedanken kommt, dass ich schwul sein könnte. Ohne darüber nachzudenken, hat Mia das auch geäußert. Wie ich reagiert habe? Ich habe das mit einem Lachen überspielt, auf das die Mädels eingestiegen sind. Und damit war das Thema gegessen. Trotzdem habe ich Angst, dass jetzt der Verdacht aufgekommen ist und vielleicht später noch mal thematisiert wird. Ich weiß gar nicht, wie ich dann reagieren soll. Wahrscheinlich werde ich es einfach abstreiten.

Aber so ist das mit den typisch „schwulen“ Themen. Darüber darf ich mich nicht äußern und muss schweigen. Wie gerne würde ich auch mal über Jungs schwärmen oder frei äußern, welche Musik ich höre. Aber dann würde man wahrscheinlich sofort merken, dass ich schwul bin.

Zuhause kann ich da etwas freier sein. Ich glaube, mein Bruder und mein Vater bemerken das gar nicht. Und selbst wenn sie etwas bemerken würden, würden sie es verdrängen. Das ist normal, denn wer will schon einen schwulen Sohn oder Bruder haben? Dann ignoriert man, dass der Sohn ganz laut Britney Spears in seinem Zimmer hört und jeden Song mitsingt. Davon abgesehen bin ich ja da reingewachsen. Ich habe schon mit 8 oder 9 gerne Rihanna oder Britney gehört und mitgeträllert. Und da denkt man ja nicht über die Sexualität des Kindes nach. Und so gewöhnt man sich an den Geschmack. Jedenfalls stelle ich mir das vor.

Aber bei neuen Freunden oder Klassenkameraden ist das anders. Diese würen sofort Verdacht schöpfen. Also muss ich aufpassen. Ich versuche mich in dieser Hinsicht zurückhaltend zu verhalten. Es reicht ja, dass ich auch so schon der Außenseiter bin. Ich möchte nicht auch noch zum Mobbing-Opfer werden.

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