Auf der öffentlichen Toilette

Heute ist mir etwas Abgefahrenes passiert. In die Schule muss ich immer mit der U-Bahn fahren und einmal umsteigen. Nach der Schule musste ich plötzlich so dringend pinkeln, sodass ich auf die öffentliche Toilette an der U-Bahn-Station gegangen bin.

Als ich an das Pinkelbecken kam, waren da ziemlich viele Männer. Einige sind auch gerade fertig gewesen. Ich habe mir erst mal nichts dabei gedacht und stellte mich an einen freien Platz und verrichtete mein Geschäft. Doch ich weiß nicht warum, aber irgendwie kam mir etwas komisch vor. Ich blickte zur Seite und neben mir stand ein älterer Mann – also auf jeden Fall älter als mein Vater mit grauen Bart. Er trug einen Anzug. Und na ja, was soll ich sagen… ich bin ja schwul und ich müsste lügen, wenn ich beim Pinkeln nicht auch mal nach links und rechts auf die Pimmel anderer Männer gucken würde. Auch in der Schule mach ich das – natürlich unauffällig.

Jedenfalls sah ich dann, dass der Mann neben mir einen Steifen hatte und sich neben mir einen runterholte. Ich war zunächst total geschockt und mein Herz fing zu rasen an. Ich war bestimmt knallrot im Gesicht. Ich glaub, der Kerl merkte auch, dass ich seinen Pimmel angeschaut habe und machte auch keine Anstalten, ihn zu verstecken. Ich schaute mich dann um und hinter mir standen auch zwei Männer, die offensichtlich nicht pinkelten. Ich glaube, die Männer waren alle da, weil sie sich einen runterholen wollten.

Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Ich muss zugeben, dass mich das schon ein wenig angemacht hat. Der Mann war zwar alt, aber er war jetzt nicht hässlich oder eklig oder so. Er war nicht fett, sondern trug sogar einen Anzug. Und sein Pimmel war ebenfalls schön anzusehen. Trotzdem packte ich schnell meinen ein und verließ die Toilette fluchtartig.

Zuhause musste ich mich dann erstmal zusammennehmen. Als ich so daran dachte, bekam ich auch einen Ständer. Ich muss hier jetzt nicht erwähnen, was ich dann gemacht habe. Eben habe ich dann im Internet mal ein bisschen geschaut und die U-Bahn-Haltestelle gegooglet. Tatsächlich habe ich auch was gefunden. Da ist wohl eine „Cruising Area“ – so nennt man öffentliche Orte, an denen sich Schwule treffen und Sex miteinander haben. Ich wusste gar nicht, dass es so was gibt – und dann auch in unserer Stadt.

Jetzt bin ich total neugierig und will da morgen vielleicht noch mal hingehen. Aber irgendwie habe ich auch Angst. Viele denken bestimmt, dass da abnormale Perverse sind, die sich da aufhalten. Und dann hat der eine Mann einem Jugendlichen wie mir seinen Steifen gezeigt. Das mag ja vielleicht auch so sein. Aber für mich ist das irgendwie aufregend und solange mir keiner etwas tut, macht es mich sehr neugierig. Natürlich ist es auch beängstigend. Was ist, wenn mich da wirklich einer vergewaltigen will? Aber die U-Bahn ist so öffentlich und wenn ich da schreie, würde man mich sicherlich hören.

Ach ich weiß einfach nicht. Ich bin jetzt in Zwiespalt. Ich weiß noch nicht, ob ich da noch mal hingehe. Vielleicht ist das tatsächlich zu gefährlich und ich lasse es lieber. Aber von dem Erlebnis von heute werde ich heute Nacht sicherlich noch einen feuchten Traum haben…

Shopping Queen

Mich ständig verstellen zu müssen, ist etwas, was ich in meinem Leben hasse. Ich muss immer besonders auf männlich machen, damit ja keiner bemerkt, dass ich schwul bin. Das nervt mich total und strengt mich an. Wie gerne würde ich einfach so sein, wie ich wirklich bin. Aber keiner soll ja mein Geheimnis erfahren.

Doch es gibt ein paar Dinge, die ich nicht verstecken kann oder will oder ich einfach auch mal vergesse. Heute haben Miriam, Mia und Nina in der Schule über Shopping Queen gesprochen. Das ist die Fernsehsendung auf VOX mit dem Designer Guido Maria Kretschmer. Fünf Kandidatinnen müssen sich mit 500 Euro innerhalb von vier Stunden ein Outfit zu einem Motto kaufen. Am Ende der Sendung wird das jeweilige Outfit bewertet. Kretschmer kommentiert das ganze immer mit lustigen Sprüchen.

Was für ein Klischee… Aber ich gucke das gerne. Und als meine neuen Freundinnen darüber geprochen haben, habe ich mir nichts dabei gedacht und habe meinen Senf dazu abgegeben. Da ist es ja kein Wunder, dass man da auf den Gedanken kommt, dass ich schwul sein könnte. Ohne darüber nachzudenken, hat Mia das auch geäußert. Wie ich reagiert habe? Ich habe das mit einem Lachen überspielt, auf das die Mädels eingestiegen sind. Und damit war das Thema gegessen. Trotzdem habe ich Angst, dass jetzt der Verdacht aufgekommen ist und vielleicht später noch mal thematisiert wird. Ich weiß gar nicht, wie ich dann reagieren soll. Wahrscheinlich werde ich es einfach abstreiten.

Aber so ist das mit den typisch „schwulen“ Themen. Darüber darf ich mich nicht äußern und muss schweigen. Wie gerne würde ich auch mal über Jungs schwärmen oder frei äußern, welche Musik ich höre. Aber dann würde man wahrscheinlich sofort merken, dass ich schwul bin.

Zuhause kann ich da etwas freier sein. Ich glaube, mein Bruder und mein Vater bemerken das gar nicht. Und selbst wenn sie etwas bemerken würden, würden sie es verdrängen. Das ist normal, denn wer will schon einen schwulen Sohn oder Bruder haben? Dann ignoriert man, dass der Sohn ganz laut Britney Spears in seinem Zimmer hört und jeden Song mitsingt. Davon abgesehen bin ich ja da reingewachsen. Ich habe schon mit 8 oder 9 gerne Rihanna oder Britney gehört und mitgeträllert. Und da denkt man ja nicht über die Sexualität des Kindes nach. Und so gewöhnt man sich an den Geschmack. Jedenfalls stelle ich mir das vor.

Aber bei neuen Freunden oder Klassenkameraden ist das anders. Diese würen sofort Verdacht schöpfen. Also muss ich aufpassen. Ich versuche mich in dieser Hinsicht zurückhaltend zu verhalten. Es reicht ja, dass ich auch so schon der Außenseiter bin. Ich möchte nicht auch noch zum Mobbing-Opfer werden.

Freunde einladen ist schwer

Jeden Tag beschäftigt mich etwas Neues. Nie komme ich mal zu Ruhe. Aber auch das gehört wahrscheinlich zum Leben eines 14jährigen Jungen…

Heute Morgen habe ich meinem Vater von meinen „neuen Freundinnen“ erzählt. Ich verstehe mich ja jetzt in der Schule ein bisschen besser mit Nina, Mia und Miriam. Auch gestern und heute haben wir die ganzen Pausen miteinander verbracht und auch in den Fünfminutenpausen beziehen sie mich ein. Das finde ich klasse.

Ich habe das meinem Vater erzählt, weil er sich ständig bei mir erkundigt, wie es mir geht. Ich glaube, es beschäftigt ihn schon ein wenig, dass ich es schwer habe, Anschluss zu finden. Also wollte ich ihm einmal eine gute Nachricht überbringen, damit er sich besser fühlt. Also erzählte ich – vielleicht ein wenig zu überschwänglich – dass ich mich in der Schule mit drei Mädchen angefreundet habe. Mein Bruder hat das mitgekriegt und gleich einen blöden Spruch abgelassen – von wegen „geiler Hecht“ und „Playboy“ und so.

Na ja, mein Vater fand es jedenfalls auch gut und schlug jetzt vor, dass ich sie doch mal zu uns einladen könnte. Mist! Jetzt habe ich ihn da auf eine Idee gebracht. Natürlich wäre es cool, wenn ich Freunde mit nach Hause bringen könnte. Aber andererseits sind wir jetzt noch nicht so eng miteinander, dass ich sie einfach zu mir einladen würde. Ich glaube, das wäre ein bisschen zu aufdringlich, oder? Also ich traue mich das noch nicht. Ich wüsste gar nicht, wie ich das anstellen soll. So was muss sich doch ergeben und kann nciht erzwungen werden. Aber wenn jetzt mein Vater erwartet, dass sie zu uns kommen, habe ich ein Problem. Ich will ja nicht, dass er denkt, dass ich gelogen habe oder so. Jetzt muss ich mir echt überlegen, was ich mache.

Gruppenarbeit in der Schule

Seit ein paar Tagen müssen wir für den Englischunterricht ein Poster in Gruppenarbeit erstellen. Als Außenseiter wurde ich einfach einer Gruppe zugeteilt, die aus drei Mädchen in meiner Klasse besteht. Das sind Nina, Miriam und Mia. Die drei bilden ihre eigene kleine Clique und hängen immer zusammen – einzeln erwischt man sie nie.

Nina ist eine wirkliche kleine, zierliche, süße Maus mit langen, dunkelblonden Haaren. Auffällig sind ihre großen Bambiaugen. Ich glaube, sie entfacht einen Beschützerkomplex bei den Jungs in der Klasse und daher stehen irgendwie alle auf sie. Zuletzt war sie mit einem Typen aus der 10. Klasse zusammen, wie ich mitbekommen habe. Miriam trägt eine Brille und hat eine Zahnspange. Auch sie hat langes Haar, aber es ist dunkler als Ninas. Sie ist auch ziemlich hübsch, wie ich finde, aber ich glaube, die Jungs finden ihre Brille und ihre Zahnspange nicht so toll. Aber sie scheint wirklich witzig zu sein. Bei der Gruppenarbeit bringt sie uns ständig zum Lachen. Die letzte der drei ist Mia. Sie ist eine kleine, etwas pummelige Italienierin mit einem vorlauten Mundwerk. Das liegt wahrscheinlich an ihrem Temperament. Sie zickt ständig mit den Jungs herum, sodass ich vermute, dass sie einfach nur Aufmerksamkeit sucht. Aber so scheint sie auch ganz nett zu sein.

Durch die Gruppenarbeit kam ich jetzt mit diesen drei in Kontakt. Irgendwie taten sie sich mit dem Thema und dem Poster etwas schwer. Englisch ist auch nicht ihre Stärke. Daher muss ich die meiste Arbeit übernehmen. Das beeindruckte sie anscheinend so sehr, dass sie sich mir öffneten. Sie fragten mich total aus und wollten viel über mich wissen. Heute haben sie sogar die großen Pausen mit mir verbracht und mit mir gesprochen. Ich hasse es eigentlich, so im Mittelpunkt zu stehen, aber wenigstens war ich dann nicht wieder alleine. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn wir uns näher anfreunden würden. Aber ich denke, dass das jetzt nur wegen dieser Gruppenarbeit so ist und sie mich danach wieder links liegen lassen. Mal sehen. Ich versuche auf jeden Fall ein bisschen offener zu sein und sie näher kennen zu lernen.

Facebook-Freunde

Gestern habe ich einen ganz mutigen Schritt gewagt. Ich hatte schon von meinem Klassenkamerad Till erzählt, den ich so süß finde. Schon ein paarmal habe ich mir seine Facebook-Seite angeschaut, aber wenn man nicht mit ihm befreundet ist, kann man da nicht viel sehen.

Jetzt muss ich hinzufügen, dass ich auf Facebook nur mit ein paar Mädchen aus der Klasse befreundet bin. Diese haben mich gleich angefragt, als ich neu in die Klasse kam. Aber darüber hinaus haben sie nicht mit mir geschrieben oder so. Ich glaube, sie wollten einfach nur ihre Freundschaftsliste erweitern. Von den Jungs hat mich bisher keiner angefragt und ich habe mich auch nicht getraut, sie anzufragen.

Aber gestern habe ich mich einfach mal getraut, Till anzufragen und erhoffte mir, dass er mich annimmt. Falls er mich darauf ansprechen würde, hatte ich mir die Ausrede parat gelegt, dass ich auch so jemand bin, der seine Freundesliste erweitern will. Natürlich habe ich zum Alibi auch gleich alle anderen Klassemkameraden hinzugefügt, die ich finden konnte. Und siehe da – die meisten haben mich auch angenommen, darunter auch TILL! Ich habe mich so gefreut.

Sofort habe ich mich auf seinem Profil umgeschaut. Besonders haben mich seine Fotos interessiert. Und die haben mich umgehauen. Er hat nämlich auch Urlaubsfotos online, auf denen er am Strand in Badehose zu sehen ist. Natürlich trägt er – wie heutzutage üblich – weite Badeshorts. Aber seinen Körper kann man darauf betrachten. Da gerate ich völlig ins Schwärmen.

Aber es gibt auch einige Fotos, auf denen er mit Mädchen zu sehen ist. Ich nehme an, darunter sind auch einige Ex-Freundinnen von ihm. Zurzeit ist er wohl solo, wie ich das mitbekommen habe. Manchmal sind auch andere meiner Klassenkameraden auf den Fotos. Sie sind dann auch verlinkt. Die Profile von Max, Simon und Justin habe ich mir auch angesehen. Die drei haben auch ein paar nette Fotos. Simon hat auch ein Foto, auf dem er wohl mit seinem älteren Bruder zu sehen ist. Der scheint auch ein heißer Typ zu sein.

Wie gerne wäre ich mit ihnen auch im wirklichen Leben befreundet… Am liebsten würde ich sie anschreiben. Aber ich denke, ich werde jetzt einfach mal hin und wieder ein paar Posts von ihnen liken. Vielleicht bemerken sie das ja. Ich darf nur nicht zu auffällig sein.

Internetpornografie

Wer glaubt, dass Jungs in meinem Alter so brav sind und im Internet nur harmlose Dinge anschauen, hat sich tief in den Finger geschnitten. Natürlich schauen wir uns verbotenerweise auch Pornos im Internet an. Und dies kann ich nicht nur aus eigener Erfahrung behaupten. Meine Schulkameraden kennen alle großen und bekannten Pornoseiten und auch wenn sie nur scheinbar Witze darüber reißen, bin ich mir sicher, dass sie diese Seiten täglich besuchen.

Es ist ja auch ganz einfach. Meist wird man ja nur gefragt, ob man mindesten 18 Jahre alt ist. Da braucht man nur „Ja“ anklicken, auch wenn das gar nicht stimmt. Das kontrolliert ja keiner. Also kann man sich solche Videos ganz frei anschauen – ganz zu schweigen von Bildern, die man allein durch eine Googlesuche findet (wenn man den Filter ausschaltet).

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich mir natürlich Schwulenpornos anschaue. Und natürlich hole ich mir dabei einen runter. Das mache ich schon so, seitdem ich zwölf war. Manchmal verbringe ich sogar Stunden auf solchen Seiten. Ich habe ja mein eigenes Zimmer und auch meinen eigenen Laptop. Mein Vater und mein Bruder lassen mich da auch in Ruhe. Meist sind sie ja sowieso nicht da und da brauche ich auch keine Angst haben, erwischt zu werden. Auch wenn sie da sind, klopfen sie vorher an, bevor sie in mein Zimmer kommen. Also brauche ich mir da keine Sorgen machen.

Ich bin mir darüber hinaus auch ziemlich sicher, dass mein Bruder ebenfalls Pornos anschaut. Ich bin ja nicht blöd. Er ist zwei Jahre äter als ich und bei ihm spielen die Hormone der Pubertät bestimmt auch verrückt. Wahrscheinlich wird er sich andere Sachen anschauen, aber er macht das hundertprozentig auch.

Vielleicht werden jetzt einige wieder denken, dass mir das schadet und werden die Pornografie verteufeln. Ich habe nicht das Gefühl, dass es mir schadet. Ich bin froh darüber, dass ich so meine Fantasie befriediegen kann. Und da ich weiß, dass das jeder macht bzw. gemacht hat als Jugendlicher (jedenfalls seitdem es Internet gibt), müssten ja alle irgendwie gestört sein. Sind wir das?

Erektionen verstecken

Heute möchte ich mal über ein weiteres Problem von mir berichten. Dieses Problem ist mir sehr unangenehm und stresst mich täglich. Und zwar bekomme ich oft und überall eine Erektion. Egal, wo ich mich befinde, muss ich meinen steifen Pimmel verstecken. Ständig habe ich Angst, dass das jemand sieht.

In der Schule, wenn ich auf meinem Platz sitze, geht das ja dann noch. Da kann ich das leicht verstecken, indem ich meine Beine zusammenhalte oder so. Aber besonders schlimm ist es im Sportunterricht. Da trage ich ja meist nur eine Jogginghose. Da kann man das am wenigsten verbergen. Wenn ich merke, dass sich wieder etwas in meiner Hose tut, haue ich schnell auf die Toilette ab und gucke da, dass sich das ganz schnell wieder legt – im wahrsten Sinne des Wortes.

In der Jungenumkleide passiert das auch manchmal – gerade wenn die anderen Jungs mal wieder mit ihren Pimmeln herumspielen, oder ich mich überhaupt umschaue und die Beulen der anderen anschaue. Dann setze ich mich immer auf die Bank und tue so, als ob es besonders lang dauert, bis ich meine Schnürsenkel oder so aufbekomme. Da muss ich mich nämlich ganz nach vorne beugen und kann meinen Pimmel gut verstecken.

Darüber hinaus kommt hinzu, dass ich auch noch zugegebenermaüen „gut ausgestattet“ bin. Da wurde ich wohl von der Natur gesegnet und eigentlich finde ich das ganz gut, dass ich nicht so einen kleinen Pimmel habe. Aber wenn ich einen Steifen bekomme, ist es natürlich besonders schwer, ihn zu verstecken.

Ich weiß auch langsam nicht mehr, was ich tun soll. Im Internet habe ich zwar nachgelesen, dass das völlig normal für einen Jungen in meinem Alter ist, aber unangenehm ist es mir schon. Ich habe mir schon überlegt, ob ich mal mit meinem Bruder darüber rede, ob er nicht vielleicht das gleiche Problem hat oder hatte. Aber das ist mir auch sehr peinlich. Jetzt wünschte ich mir, ich hätte einen besten Freund, mit dem ich über alles reden könnte.

Elyas M’Barek

Gestern war ein schöner Tag. Endlich langweilte ich mich nach der Schule nicht schon wieder allein daheim. Mein Bruder erzählte mir, dass er mit ein paar Freunden aus der Schule ins Kino gehen würde und fragte mich, ob ich nicht mitkommen möchte. Das war sehr nett von ihm. Ich glaube, er merkt langsam, dass ich mich einsam fühle und ich bin auch sehr froh, dass er mich nicht dafür fertig macht. Jedenfalls momentan nicht…

Wie waren in „Fack ju Göhte“ mit Elyas M’Barek, den man auch aus „Türkisch für Anfänger“ kennt. Der Film ist so lustig und ich fand ihn richtig genial. Wir haben uns kaputt gelacht. Aber am allerbesten hat mir natürlich Elyas gefallen. Dieser Schauspieler ist so sexy. Schade, dass ich das nicht so vor anderen äußern kann. Aber hier kann ich ja schreiben, wie geil ich ihn fand. Er hat so einen heißen Körper. In dem Film kann man auch seinen Hintern sehen. An der Stelle musste ich aufpassen, dass man meinen Steifen nicht sieht. Aber zum Glück ist das Kino ja dunkel und da kann man das gut verbergen… Sonst wäre das ziemlich peinlich geworden vor meinem Bruder und seinen Freunden.

Nach dem Kino waren wir dann noch bei McDonald’s und mein Bruder und seine Freunde haben sich über den Film unterhalten. Ich habe mich da eher zurückgehalten. Seine Freunde haben mich auch eher ignoriert. Mein Bruder hat zwar mal nachgefragt, wie ich ihn fand, aber er ist nicht wirklich darauf eingegangen. Aber egal, hauptsache ich durfte überhaupt mitgehen und mir den Film anschauen – UND Elyas M’Barek sehen. Zuhause habe ich mir natürlich erst mal Bilder von ihm im Internet angeschaut. Ich komme gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Der Typ ist einfach geil!

Einsamkeit

Gestern habe ich ja schon angedeutet, dass ich mich oft alleine fühle. Das ist ja auch kein Wunder.

Vor einem Jahr ist ja meine Mutter leider gestorben. Sie war sehr krank. Ich möchte aber nicht erzählen, was sie hatte, weil man mich dann vielleicht erkennen könnte. Aber so viel sei gesagt: Es war sehr schlimm für mich. Sie war meine engste Bezugsperson und ich habe ihr alles – na ja, fast alles – über mich erzählt. Wenn ich von der Schule heim kam, habe ich ihr immer erst alles erzählt, was in der Schule passiert ist.  Mein Vater war ja meist auf der Arbeit und mein Bruder hatte sein eigenes Leben. Jetzt fehlt sie wirklich sehr und ich denke noch immer viel an sie.

Auf meiner alten Schule hatte ich darüber hinaus einige Freunde. Zugegebenermaßen waren es mehr Freundinnen als Freunde, was sehr verdächtig ist, wie ich weiß. Aber es hat niemand etwas gesagt. Ich hatte auch einen Kumpel, mit dem ich seit dem Kindergarten befreundet war. Ich glaub, er war auch nicht komplett hetero. Kurz bevor wir uns verkracht hatten, haben wir angefangen „schwule“ Dinge zu tun. Beispielsweise haben wir uns gegenseitig Dinge weggenommen und vorne in unsere Hose gepackt. So musste man dem anderen in die Hose greifen, um sich die Dinge zu holen. Anfangs haben wir so getan, als wäre das voll eklig und schwul (ich musste ja so tun, als würde ich das schlimm finden). Aber dann haben wir uns tatsächlich in die Hose gefasst. Nach und nach haben wir damit angefangen, unsere Eier und schließlich unsere Pimmel in die Hand zu nehmen. Die wurden auch steif. Immer zogen wir die Hände schnell zurück und sagten so was wie „Iiiihhh“ oder „Ekelhaft“ oder „Wie schwul“. Aber ich bin sicher, dass diese Spiele nicht nur mir gefallen haben. Oftmals musste ich danach immer schnell aufs Klo und da habe ich mir einen runtergeholt.

Aber dann haben wir uns immer öfter gestritten, bis es schließlich einen großen Krach gab. Seit daher sind wir getrennte Wege gegangen und ich hatte nur noch meine Freundinnen. Aber als wir umgezogen sind, ist der Kontakt eigentlich so gut wie gar nicht mehr da. Wir sind zwar noch über Facebook befreundet und schreiben uns Kommentare oder auch mal persönliche Nachrichten, aber das war es auch schon.

Wie man sieht, habe ich niemanden mehr. Ja, ich liebe meinen Vater und meinen Bruder, aber ersetzen keine Freunde. Am Wochenende unternehmen wir drei auch mal was zusammen und gehen ins Kino oder so. Aber meist haut Benny schnell ab, um sich mit Freunden zu treffen. Und dann sind mein Vater und ich alleine. Und meinem Vater kann ich nicht alles erzählen, so wie ich es bei meiner Mutter konnte. Und davon abgesehen habe ich ja auch nichts zu erzählen. So sind es meist nur sehr oberflächliche Gespräche zwischen uns.

Ich wünsche mir schon ein paar enge Freunde. Doch am liebsten hätte ich natürlich einen festen Freund, mit dem ich alles machen könnte. Ich würde auch gerne mal mit einem süßen Jungen knutschen oder solche Spiele treiben wie mit meinem ehemaligen Kumpel. Das wäre schön. Potentielle Kandidaten gäbe es da schon, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Mein Leben und ich

Wie ich in meinem ersten Beitrag schon berichtet habe, bin ich 14 Jahre alt und gehe in die 8. Klasse. Meine Lieblingsfächer sind Deutsch und Kunst. Aber auch die anderen Fächer fallen mir zum Glück nicht so schwer. Zu meinen Hobbys gehört das Malen und Zeichnen, Lesen, im Internet surfen und Filme schauen.

Meine Familie besteht aus meinem Vater, meinem älteren Bruder und mir. Meine Mutter ist vor einem Jahr leider gestorben. Daraufhin ist mein Vater mit uns beiden Söhnen in eine andere Stadt gezogen. Er wollte Abstand und noch mal neu anfangen. Unser altes Haus wäre voller schlechter Erinnerung, meint er. Und so landete ich Anfang diesen Schuljahres auf meiner neuen Schule. Das erklärt auch, warum ich noch nicht so viele Freunde habe. Besser gesagt, ich habe gar keine Freunde. Ich bin sehr schüchtern und zurückhaltend. Ich kann nicht so gut auf neue Leute zugehen. Davon abgesehen behandeln mich meine Mitschüler wie ein rohes Ei. Ich vermute, unsere Klassenlehrerin hat ihnen von meiner Mutter erzählt. Und jetzt haben sie Mitleid mit mir und lassen mich mit meiner Trauer in Ruhe, obwohl meine Mutter schon ein Jahr tot ist. Aber so ist das nun mal.

Deshalb verbringe ich meine Freizeit meist vorm TV oder PC. Mein Bruder fällt es da leichter. Er ist zwei Jahre älter als ich und geht jetzt in die 10. Klasse auf derselben Schule wie ich. Er hat schnell Anschluss gefunden. Vielleicht liegt das am Alter und seine Klassenkameraden sind cooler drauf als meine. Aber es ist sogar so, dass mein Bruder – ich nenne ihn hier mal der Einfachheit halber Benny – oft Freunde mit nach Hause bringt und mit ihnen XBox zockt oder so. Im Gegensatz zu mir ist Benny sowieso viel offener. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass er hetero und deshalb nicht so unsicher ist wie ich. Ich passe ständig darauf auf, nicht schwul zu wirken. Das muss er nicht.

Benny hatte auch schon mehrere Freundinnen. Er wundert sich manchmal, warum ich noch kein Mädchen mit nach Hause gebracht habe. Er sagt dann: „In deinem Alter hatte ich zehn Mädels an jeder Hand.“ Und das stimmt sogar. Wir haben Glück mit unseren Eltern gehabt und gute Gene geerbt, wenn man das so sagen kann. Mein Vater sieht für sein Alter – er ist 41 Jahre alt – sehr gut aus. Er ist groß, schlank und hat ein schönes Gesicht. Und das haben mein Bruder und ich auch alles geerbt, sodass uns natürlich die Mädchen hinterher gucken. Mein Bruder lässt nichts anbrennen, während ich mich blöd anstelle und jedes Mädchen abweise. Aber das ist ja auch klar… ich bin ja schwul. Trotzdem würde ich gerne eine Freundin haben, damit man keinen Verdacht bei mir schöpft und mein Bruder endlich zufrieden ist. Das ist schon blöd, ich weiß. Es wäre dem Mädchen gegenüber auch nicht fair, aber ich will nicht, dass jemand denkt, dass ich schwul sein könne.

Was kann ich denn noch zu mir und meinem Leben berichten? Mein Vater arbeitet in der Bank. Er kommt deshalb erst am frühen Abend nach Hause. So bin ich nachmittags meist allein zuhause (wenn mein Bruder noch was mit anderen unternimmt). Dafür geht es uns finanziell allerdings ganz gut. Wir haben ein kleines Haus, was ja für uns reicht. Und mein Bruder und ich haben unsere eigenen Zimmer. Vielleicht wollen wir uns eine Katze zulegen, weil wir früher auch mal eine hatten. Aber das überlegen wir noch.

Zu meinen Großeltern kann ich nichts sagen. Ich habe sie nie kennen gelernt. Meine Eltern sind keine Deutschen. Ich sage jetzt nicht, woher sie kommen, aber als sie damals nach Deutschland kamen, haben sie ihre Familie zurückgelassen und wir haben auch keinen Kontakt zu ihnen. Auf Facebook bin ich zwar mit ein paar Verwandten befreundet, aber da ich die Sprache nicht sprechen kann, herrscht da auch kein Austausch.

Wie man sieht, bin ich schon sehr einsam. Darüber bin ich oft traurig. Aber das ist ein anderes Thema…

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten