Ich hatte eine Freundin

Ja, du hast richtig gelesen! Ich hatte eine Freundin und das war komisch für mich, weil ich ja eigentlich schwul bin. Aber so konnte ich mein Alibi aufrecht erhalten. Aber ich erzähle mal von vorne.

Auf meinem Blog kann man nachlesen, dass ich an Weihnachten letztes Jahr von einer türkischen Mitschülerin bewichtelt wurde. Das war Esra. Und später stellte sich heraus, dass sie in mich verliebt war. Das ging in der Klasse herum und mir war das total unangenehm.

Da ich schwul bin, wusste ich nicht, was ich machen sollte. Auf der einen Seite überlegt ich mir, Esra einen Korb zu geben und das damit zu begründen, dass ich behaupte, dass sie mir zu dick wäre. Aber auf der anderen Seite dachte ich, dass es gut für mein Image wäre, wenn ich eine Freundin hätte. Und schließlich fragte sie mich irgendwann, ob ich mit ihr gehen möchte. Ich sagte ja.

Von da an waren wir zusammen. Sie war sehr glücklich und ging damit überall hausieren. Die ganze Zeit hielten wir Händchen, aber mehr lief nicht – zum Glück! Küssen wollte sie mich nicht, da sie dafür auch zu schüchtern war. In meiner Klasse denkt nun jeder, ich bin hetero, auch wenn sie mich mit der dicken Esra aufgezogen haben – besonders die Jungs.

Mein Bruder erfuhr auf dem Schulhof von meiner Freundin und war sehr stolz auf mich. „Wurde auch mal langsam Zeit“, sagte er zu mir und von da an nannte er mich „Player“. Diese Beziehung hielt aber nur ein paar Wochen. Irgendwann kam Esra zu mir und sagte mir, dass ihre Brüder was dagegen hatten, dass sie einen deutschen Freunde hatte und so machte sie Schluss. Ich tat so, als ob ich das verstand und dass wir Freunde bleiben wollten. Innerlich war ich aber froh.

Nun denkt wohl niemand mehr, dass ich schwul bin und auch heute noch sagen meine Freunde ständig, dass ich ja mal mit Esra zusammen war und so. Keiner fragt mehr, wann ich endlich mal eine Freundin habe. So war das eigentlich ganz gut für mich.

Meine Klasse

Meine Klassenkameraden sind eigentlich ganz nett. Es hätte mich schlimmer treffen können, als ich neu auf die Schule gekommen bin. Zwar war ich vorher noch nie in einer solchen Siutation, aber ich stelle mir vor, dass man sich das schlimmste ausmalt. So war es jedenfalls bei mir. Ich dachte, ich werde zum Außenseiter und Mobbing-Opfer. Ich stellte mir die schlimmsten Hänseleien von „Homo“ bis „Schwuchtel“ vor, wenn sie eventuell bemerken würden, dass ich schwul bin. Dabei bemühe ich mich stets, sehr männlich zu wirken und lege zum Beispiel meine Beine nicht so tuntig übereinander.

Aber meine Sorgen hatten sich nicht bestätigt. Meine Klassenkameraden sind eigentlich ganz nett. Wie schon mal erwähnt, vermute ich, dass meine Klassenlehrerin ihnen von dem Tod meiner Mutter erzählt haben muss. Denn sie lassen mich in Ruhe und sind ansonsten recht freundlich. Wenn es um schulische Angelegenheit geht, behandeln sie mich auch ganz normal. Wenn wir zum Beispiel eine Parnterarbeit machen, behandelt mich niemand komisch, sondern arbeitet ganz normal mit mir zusammen. Aber darüber hinaus werde ich einfach links liegen gelassen. Die Pause verbringe ich meist alleine. Dann setze ich mich in die Pausenhalle und lese in meinem Buch.

Als ich in die Klasse kam, fielen mir natürlich zuallererst die Jungs auf. In meiner Klasse sind wir 26 Schüler, davon sind 14 Jungen. Darunter sind wiederum ein paar, die ich nicht sonderlich attraktiv finde, wie den dicken Lukas oder Aarif, den Pakistaner. Aber in meiner Klasse sind auch heiße Typen. Ganz oben steht da natürlich Till. Seit ich seinen Pimmel gesehen habe, finde ich ihn noch besser. Aber vorher fand ich ihn auch schon total heiß. Er ist sehr sportlich und hat so lange blonde Haare wie ein typischer Surfer-Boy. Besonders gefallen mir seine blauen, strahlenden Augen und seine schneeweißen Zähne. Ich stehe auf gepflegte Zähne und er hat die weißesten, die ich je gesehen habe. Jetzt wird es hier richtig gay, aber ich finde ihn einfach zum Dahinschmelzen.

Aber Max, Simon und Justin sind auch sehr hübsch. Wenn einer von ihnen mich ansprechen würde, wäre ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Aber das tut ja keiner. Auch die Mädchen nicht. Sie lassen mich einfach in Ruhe und ich denke, sie sind der Meinung, ich würde noch immer trauern. Ich frage mich, wie ich ihnen zeigen kann, dass sie mich nicht so in Watte packen müssen. Wenn ich ein wenig offener wäre und auf sie zugehen würde, würde ich vielleicht mit jemanden Freundschaft schließen können. Aber solange ich so verschlossen bin, verbringe ich meine großen Pausen weiterhin allein.