Mein Weihnachten

Seit meine Mutter gestorben ist, ist Weihnachten bei uns eher ein trauriges Spektaktel. Früher haben wir zusammen gegessen und beschert und vielleicht noch zusammen irgendwelche Brettspiele gespielt. Im Prinzip machen wir das auch noch an Heiligabend so, aber irgendwie ist der ganze Tag von einem trüben Schleier überdeckt. Besonders das Schmücken des Weihnachtsbaumes, welches meine Mutter so gerne in die Hand genommen hatte, ist sehr traurig.

Irgendwie merke ich, dass wir alle kein Bock auf dieses Fest haben, es aber trotzdem machen, weil es sich so gehört. Wir haben das immer so gemacht und auch ohne unsere Mutter machen wir das. Irgendwie ist das so, weil wir die anderen nicht verletzen wollen, obwohl ich sicher bin, dass ich nicht der einzige bin, der spürt, dass alle das nicht wollen. Und es ist so, weil wir alle an diesen Tagen meine Mutter vermissen.

Den ersten Weihnachtsfeiertag und auch den zweiten verbringen wir zwar zuhause, aber irgendwie ist jeder für sich, außer wir begegnen uns zufällig im Haus. Auch dieses Jahr war es so. Gestern Abend schauten wir zwar eine Weile gemeinsam fern, aber mehr war da auch nicht. Irgendwie sind wir alle froh, wenn diese Tage vorbei sind.

Trotzdem muss ich gestehen, dass es schöne Geschenke gab. Mein Bruder und ich haben beide ein neues Handy bekommen – das Samsung Galaxy SII. Mein Bruder hatte schon ein Smartphone, aber für mich ist es das erste. Unser Vater bezahlt uns sogar einen Vertrag, sodass ich jetzt mit dem Handy im Internet surfen kann. Mein Bruder und ich haben zusammengelegt und unserem Vater ein Polo-Hemd von Ralph Lauren gekauft. Das gefiel ihm anscheinend auch. Also waren wir zumindest mit unseren Geschenken sehr zufrieden.

Der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien

Endlich sind Ferien. Alle Klassenarbeiten sind geschrieben und so schwer waren sie gar nicht. In der Schule haben wir nur zusammen gefrühstückt und wir konnten unsere Wichtelgeschenke austauschen. Letztendlich habe ich Justin eine DVD gekauft – „X-Men Origins: Wolverine“. Er fand das auch ganz okay, denke ich. Er hat jedenfalls gemeint, dass er den Film noch nicht habe und hat sich bedankt.

Tja, und nun kommen wir zu meinem Wichtel. Eigentlich sollte mich ja Till beschenken, denn er hatte meinen Namen gezogen gehabt. Aber er wollte unbedingt seine Nina beschenken, also hat er versucht, mit demjenigen zu tauschen, der seine Nina gezogen hatte. Und er hat die Person auch gefunden: Es war Esra. Esra ist Türkin und ziemlich pummelig. Sie hat sehr buschige Augenbrauen und einen Damenbart. Befreundet ist sie eher mit den Türkinnen aus den Parallelklassen im Realschulzweig. Bei uns in der Klasse ist sie aber auch keine Außenseiterin, weil sie eigentlich immer ganz coole Sprüche drauf hat.

Bisher hatte ich ihr kaum Beachtung geschenkt. Doch jetzt hat sie mir ein sehr seltsames Wichtelgeschenk gemacht: Eine Elchfigur aus Holz, die ein großes Herz in der Hand trägt. Was soll ich davon halten? Zudem stand auf der Karte, dass sie mir herztlichst ein frohes Weihnachtsfest wünscht. Als sie mir das Geschenk überreichte, lächelte sie ganz verschämt und wurde knallrot. Ich hoffe jetzt wirklich, dass sie sich nicht in mich verliebt hat oder so. Das wäre echt komisch und unangenehm. Miriam denkt zumindest, dass das gut sein könnte, während Mia vermutet, dass Esra ja normweilerweise kein Weihnachten feiert und deshalb nicht so richtig weiß, was man da so verschenkt und deshalb so ein bisschen schüchtern war. Aber das glaube ich wiederum nicht, denn sie lebt ja nicht erst seit gestern in Deutschland. Sie ist ja hier geboren.

Zum Glück sind aber jetzt erst einmal Ferien und ich muss mich nicht länger damit auseinander setzen. Schade ist nur, dass ich Miriam und Mia wohl in den nächsten Wochen nicht sehen werde, da sie in den Ferien zu Verwandten fahren. Nina ist die einzige, die hierbleibt, aber sie wird wahrscheinlich sehr viel Zeit mit Till verbringen, sodass ich meine Ferien mal wieder alleine zubringen werde. Mal sehen, wie es wird.

Wichteln

Gestern haben wir in der Schule beschlossen, dass wir am letzten Schultag vor den Ferien gemeinsam wichteln. Dafür haben wir ausgelost, wem wir in der Klasse beschenken und uns ein Limit von fünf Euro gesetzt. Ich habe nun Justin gezogen.

Auf der einen Seite bin ich total froh, dass ich nicht Till gezogen habe, denn dann hätte ich total das Herzflattern bekommen und mir total Stress mit dem Geschenk gemacht. Ich hätte definitiv nicht gewusst, was ich ihm besorgen sollte. Hinter allem hätte ich Angst gehabt, dass er oder jemand anderes erkennt, dass ich auf ihn stehe.

Auf der anderen Seite hätte ich lieber ein Mädchen oder sogar eine meiner neuen Freundinnen gezogen. Das wäre mir wahrscheinlich nicht so schwer gefallen. Aber bei Justin weiß ich nun auch nicht, was ich ihm für fünf Euro besorgen soll. Ich habe keine Ahnung, auf welche Musik er steht, sonst hätte ich ihm vielleicht eine CD gekauft. Wahrscheinlich werde ich mal bei Nanu Nana gucken, obwohl der Laden auch nur kitschiges Zeug hat.

Irgendwie stehe ich da ein bisschen unter Druck. Wenn ein Junge einem anderen Jungen etwas schenken muss, sollte es schon irgendwie cool sein. Aber was ist schon cool? Irgendwelche Süßigkeiten? Ich weiß nicht… Morgen schaue ich mal bei Saturn, ob es dort irgendwelche DVD-Filme im Angebot gibt. Manchmal gibt es da etwas für fünf Euro. Dann nehme ich das einfach mit.

Ich bin mal gespannt, wer mich beschenkt. Vielleicht habe ich ja das Glück, dass MICH Till beschenken muss. Da wäre ich echt gespannt. Was es dann auch wäre, ich würde es auf jeden Fall in allen Ehren behalten und es nicht mehr hergeben. Ich weiß, ich spinne, aber was soll ich machen?

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